Ein Buch in einem Buch
Und um wie vieles anders ist erst das Leben von Tilly, der Kleinen aus Mias Bilderbuch. An keiner Stelle verrät der Autor Beong-gi Bae etwas über dessen Inhalt. Aber die Illustratorin Seung-min Oh hat nicht nur den Eisbären stark an sein Vorbild angelehnt sondern auf ihren Illustrationen im Miniaturformat auch die Bilder aus dem „Original“ so nachempfunden, dass man sie alle problemlos dort finden kann. Es ist der Klassiker „Der Bär“ von Raymond Briggs, 1999 auf Deutsch erschienen und leider längst vergriffen. Darin erzählt der 1934 geborene englische Illustrator und Cartoonist, die Geschichte von einem Eisbären, den nur die kleine Tilly sehen kann. Er taucht eines Tages auf, bringt den Familienalltag durcheinander, in dem er ein Chaos ums andere anrichtet und Tilly wünscht sich, dass er für immer bei ihr bleibt. Ein zuhause arbeitender Vater und eine berufstätige Mutter kommentieren den Bären schmunzelnd: „Ahhh! Die wunderbare Phantasiewelt von Kindern.“
In welchem Kontrast steht die geborgene Kindheit von Tilly zu dem Leben von Mia. Wie anders geht die extrovertierte, selbstbewusste Tilly mit ihrem Bären um als die schüchterne Mia, die sich eng in das Fell des großen Tieres schmiegt, dort Sicherheit und Geborgenheit sucht. Wie witzig und amüsant reihen sich die schwungvollen Buntstiftbildchen bei Briggs aneinander und wie schwer wiegt die sehnsüchtige Stimmung in den malerischen Doppelseiten, die Seung-min Oh gestaltet.
Es ist eine Geschichte, die berührt und nachdenklich macht. Vielleicht auch in Kinderzimmern, in denen materieller Mangel unbekannt ist. Und vielleicht spüren auch jüngere Kinder schon, dass es nicht ein Regal voller Spielsachen ist, das Mia vermisst.