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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 05:01

Ursula Poznanski: Saeculum

16.01.2012

Verfluchtes Mittelalter

2011 erhielt Ulrike Poznanski für ihren gelungenen Jugendroman „Erebos“ den Preis der Jugendjury des Deutschen Jugendliteraturpreises. Nun legt sie nach, mit einem Roman, der seine Leser in die Welt der Mittelalter-Conventions führt. Die Erwartungen sind hoch, werden sie auch erfüllt? Von BEATE MAINKA

 

Eigentlich hat Medizinstudent Bastian mit der Mittelalter-Szene nicht viel am Hut, doch als er auf einem Mittelaltermarkt die attraktive Sandra kennenlernt, lässt er sich überreden, an einer Convention teilzunehmen. Dies bedeutet, sich von allen Segnungen der Zivilisation zu verabschieden, sich zeitgemäß zu gewanden und alles zurückzulassen, was nicht historisch authentisch ist. Bevor es zu dem geheim gehaltenen Zielort losgeht, erhält Bastian eine anonyme Warnung vor der Veranstaltung, doch Sarahs Anziehungskraft ist stärker. Mitten im finsteren österreichischen Wald trifft sich eine Schar vom Mittelalter begeisterter junger Leute, um sich einem Aufgabenkatalog zu stellen, der sie an ihre Grenzen führen soll. Das ist das Spannende daran. Paul, der souveräne Spielführer, scheint alles im Griff zu haben, doch gleich zu Anfang verschwinden drei Spieler spurlos. Die erfolglose Suche entmutigt viele und als die leicht verrückt anmutende Doro von dem Fluch erzählt, der auf Grund einer mittelalterlichen Bruderfehde auf der Gegend liegt, finden sich immer mehr Hinweise, die auf eine Erfüllung des Fluches deuten. Viele der Jugendlichen zieht Doro in ihren Bann und als die Situation sich immer mehr zuspitzt und ausweglos zu werden droht, sind einige bereit, die eigene Haut durch ein Opfer zu retten – ein Menschenopfer.

 

Wenn aus Spiel ein Kampf ums Überleben wird

Und das gleich in zweifacher Hinsicht, denn einerseits verdichten sich die Zeichen, dass der Fluch sich bewahrheitet, andererseits ist da die reale Bedrohung, der Iris, eine der Teilnehmerinnen, ausgesetzt ist. Sie wird seit langem von einem abgelegten Liebhaber bedroht und eines ist klar - die Gruppe ist nicht allein im Wald unterwegs. Poznanski erfindet immer neue Wendungen und Überraschungen, die den Druck auf ihre Protagonisten steigern. Und sieht dann genau hin, wie die sich unter diesem Stress verhalten. Darin liegt die eigentliche Spannung der Handlung, jenseits aller Klischees und doch exemplarisch brechen Verhaltensmuster durch, die sich von denen des martialischen und von Unwissen geprägten Mittelalters nicht sehr unterscheiden. Der Überlebenskampf der Jugendlichen macht sogar vor unlogischem Aberglauben nicht Halt, lässt Dinge realistisch erscheinen, die unter normalen Umständen als hanebüchener Unsinn abgetan würden. Die Decke der Zivilisation wird sehr, sehr dünn und für einige aus der Gruppe wird es lebensbedrohlich ernst.

 

Geschickte Konstruktion

Poznanski bietet, wie schon mit »Erebos«, auch mit »Saeculum« Jugendlichen eine gelungene Alternative zum Fantasy-Hype. Sie verwendet geschickt Handlungselemente des Genres, verliert aber nie den Bezug zur realen Welt, auch wenn alle anderen Möglichkeiten unlogisch und ausweglos erscheinen. Die Auflösung ist lange nicht vorhersehbar, erst ganz zum Schluss gibt es Hinweise, wie alles zusammenhängt. Doch bis dahin braucht es fast 500 Seiten Nervenkitzel pur, und zwar nicht nur für Jugendliche.  Und wer noch den pädagogischen Anspruch jenseits der gut gemachten Unterhaltung braucht: Zuzusehen, wie sich das Verhalten von zivilisierten Mitteleuropäern in Extremsituationen beängstigend verändert, macht nicht gerade Mut für eine wirtschaftlich unvorhersehbare Zukunft. Also, lesen, mit fiebern und eigene Schlüsse daraus ziehen!

 

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