Chiffren des Existentialismus oder der Tiefenpsychologie
Die Landschaft ist François fremd. Ein Gehöft, das er erreicht, verlassen, von »grabhügelförmigem Buschwerk« überwuchert. Wie die Erinnerung an die Kindheit, »unfreundliches, frostiges Trümmergelände«. Er begegnet wilden Hunden, die ihn bedrohen, dann Kindern, die ihn abweisen. Anzeichen von Angst, Trauer, Entsetzen, Verzweiflung mehren sich. Er denkt zurück an die Familiengeschichten aus der Kriegszeit. Und monologisiert in Gedanken. Führt Dialoge mit seiner Schwester, dem Vater, der Mutter. Denkt an die Umstände ihres mysteriösen Todes. War es die Schuld des Vaters, dass die Mutter starb?
François würde nur zu gerne flüchten, wieder umkehren. Doch die Erinnerungen halten ihn, binden ihn magisch. Die Nacht ist wie eine Nacht seiner Kindheit, in der er den Vater an die Polizei verrät und auf der Wache verhört wird: »Diese Nacht – sie verspricht genauso zu werden wie damals, als er mich aus der Polizeiwache herausholen kam. Ich habe ihn noch deutlich vor Augen, mit seinem kleinen Portemonnaie und seinen langfingrigen Handschuhen. Schwarz und Silber, das sind seine Farben; seine Gesichtshaut wird immer schwärzer...«
Ein beinahe existentialistischer Rahmen für das Fremdsein, den unnahbaren Vater, die Sinnlosigkeit, die die Existenz von François ausmacht. Im Bereich einer Nacht scheint als Paralleltext zu Albert Camus L'etranger lesbar. Auch hier die erzählte, keine gedeutete Figur. Auch die enge, fast intime Erzählperspektive und »Kameraführung« des Erzählers bleibt distanziert. Trotz aller Gedanken, Erinnerungen, Träume. Und immer auf eine merkwürdige Weise bedrohlich, dunkel. Bei Cayrol »wird man gehandelt«. Doch François ist niemals überrascht. Alles ist.
Und schließlich gelangt François ans Ziel, das zunächst noch im Unklaren bleibt. Er stößt auf ein Haus, das Schutz und zugleich Falle ist. Er wird von der Schneiderin Raymonde ins Haus gebeten, bleibt die Nacht und erfährt vom Konflikt zwischen Vater und Tochter. Am nächsten Morgen bricht die familiäre Bande auseinander. Die Frau, die den Hauptverdienst der Familie trägt, ist nahezu erblindet und steht vor dem Ruin, der Vater – merkwürdig reaktiv – hat eine seltsame Zwischenposition, die Tochter flieht mit dem gerade fertig gewordenen Brautkleid und wird erst nach einer beinahe merkwürdigen Verfolgung wieder gefunden. Wiederum ist für François alles normal, ist er auf alles gefasst. Auch auf das, was noch folgt.