Der Leser hat ein empfindsames Näschen und er erschnuppert sofort, wenn ihm gerade dorthinein ein Ring verpasst werden soll, um ihn am literarischen Gängelband herumzuführen wie einen beklagenswerten Tanzbären zu einer beklagenswerten Melodie. Und wenn sein Dresseur dann auch noch so herzlos ist wie Arne Nielsen ...
Immer und immer wieder setzt uns der in seinen sieben Geschichten nämlich die gleiche Story vor. Und letztlich ist es gerade der Gestus, von dem wir uns zu Anfang zum sklavischen Lesedienst verführen ließen, der uns am Ende anwidert und entleert zurücklässt.
Nielsens fiktives Irgendwo ist ein künstliches Superamerika mit möglichst normal-scheinenden Wahnsinnigen. Eigentlich keine schlechte Idee. Wäre da nur nicht die Fantasielosigkeit des Autors. Es wird beieinandergesessen wie in einer Biedermeiernovelle und es werden sich Geschichtchen erzählt, hinter denen es ordentlich rumort, die bürgerliche Fassade aber bleibt (fast) unberührt. Das Problem: Es tut nicht gut, und es tut nicht weh, was wir lesen. Kein Drama weit und breit, die „großen Gefühle“ sind ab-, nein geradezu ausgestorben. Diese seelische Taubheit inmitten einer visionslosen Welt ist es, die das Abgründige der Geschichten hervorrufen soll. Doch gelingen tut es zu selten.