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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 05:16

Edo Popovic: Ausfahrt Zagreb-Süd

11.03.2007

Balkanisches Arschkartenziehen

Ausfahrt Zagreb-Süd ist ein überaus sympathisches und gut lesbares Buch über die Verlierer des modernen kroatischen Lebens. Leider wurde es allzu nachlässig lektoriert. Von CHRISTOPH POLLMANN

 

Seit sieben Jahren sind die Kriege auf dem Balkan vorbei. Doch Elza, Baba, Vera, Kan?eli, Stjepan, Robi und Magda sitzen weiter herum, betrinken sich und es scheint fast so, als würden sie unentwegt an die gute, alte, jugoslawische Tito-Zeit denken.

Ja, es ist trist in den Hochhaussiedlungen der Zagreber Vorstadt Utrine. Der eine therapiert sich mit täglichen Unmengen Alkohol, die andere durch Briefe, der dritte in der Einsamkeit. Kan?eli beispielsweise lebt in einer kargen Wohnung ohne Strom und Möbel - dafür aber mit genügend Hanf - und macht Gelegenheitsarbeiten auf dem Fischmarkt oder bei der Autowäscherei. Stjepan und Magda erleben gerade einen zweiten Frühling. Und damit haben sie weitaus mehr als das junge Muttersöhnchen Robi, dessen Sehnsucht, der Buchladen, immer auch ein Gefängnis ist. Oder Baba, ein Schriftsteller, der irgendwann einmal mit einem Buch Furore gemacht hat, nun aber ein veritabler Säufer ist. Seine langjährige Lebensgefährtin Vera will mit Babas Gleichgültigkeit nicht mehr zurechtkommen.

Schnodder und Schnorrer

In beinahe maulfaulem Kneipenjargon erzählt dieser Roman vom Alltag städtischer Mittvierziger, die die besten Jahre eindeutig hinter sich haben. „Das Jüngste Gericht hat sich schon ereignet, wir wissen es nur noch nicht.“ Kan?elis Motto ist das des Buches. Alle leben - mehr oder weniger - am Leben und aneinander vorbei. Man weiß nicht wirklich, was sie alle aus der Bahn geworfen hat. Sind es die traumatischen Erlebnisse aus dem Jugoslawienkrieg und der Tudjman-Ära? Ist es der globale Kapitalismus, der sich der kroatischen Gesellschaft bemächtigt? Oder ist es doch nur das Älterwerden ewig Jugendbewegter? Auf alle Fälle hat Edo Popovi? ein modernes Märchen über die Zerrissenheit seiner Heimat geschrieben, das auf triste Art und Weise lustig ist und sich flott wegliest. Ein weiteres Highlight dieses Buches: Der Verlag Voland&Quist hat verstanden, was Leser wollen und liefert zu jedem Band immer auch eine Hör-CD mit. Doch leider vermisst man diese Liebe zur Gestaltung schmerzlich bei der Arbeit des Lektorats.

 

 

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