Perspektive ohne menschliche Bilder
Gerade ist Ihr Buch Hundeherz auf Deutsch erschienen. Warum ausgerechnet ein Hund?
Ekman: Ich habe schon immer Hunde gehabt und mit ihnen zusammengelebt. Der Hund in diesem Buch ist ein Jagdhund. So einen hatte ich nie. Aber als ich über ihn schrieb, habe ich ihn gesehen: Einen wunderschönen Hund, würdevoll, ernsthaft. Jeden Morgen, gegen sieben Uhr habe ich ihn gesehen; sein Besitzer fuhr auf dem Rad neben ihm. Das war er, mein Protagonist.
Wie haben Sie die spezielle Hundeperspektive entwickelt? Viele Bücher über Tiere lesen sich bisweilen etwas kitschig….
Ich kenne mich ein wenig aus mit Hunden, denn ich habe mit ihnen zusammengelebt. Und dann habe ich über ihre Psyche, ihr Verhalten und ihre Fähigkeiten gelesen, wie sie funktionieren. Ich wollte von Anfang an etwas über eine Landschaft schreiben, genau über diese Landschaft. Und ich wollte die menschliche Sicht der Dinge loswerden, mit ihren Metaphern. Ich habe in Hundeherz schon welche verwendet, aber nicht so viele. Der Hund war zu Beginn dieses Buches nicht geplant. Ich grübelte: Von wem soll diese Geschichte handeln? Von jemandem, der sich im Wald verirrt hat? Der hilflos ist, ohne jeglichen menschlichen Kontakt? Und man kann nicht einfach ein Baby oder ein Kind in den Wald setzen – es würde eingehen. Dann las ich einen Artikel in einer Jagdzeitschrift meines Mannes: Ein Hund war im Wald verloren gegangen, im Winter, und er wurde im darauf folgenden Herbst wieder gefunden. Da dachte ich: Das ist meine Hauptperson.
Also war es nicht von Anfang an ein Hund...
Neun, aber dann nahm der Hund natürlich eine wichtige Rolle in der Geschichte ein. Sie wurde zu einer Hundegeschichte. Zu Beginn jedoch war es nur der Wunsch, einmal auf eine andere Weise über die Natur und die Landschaft nachzudenken. Ohne menschliche Bilder, ohne das, woran wir als Menschen gewöhnt sind. Wenn wir an die Natur denken, ist das immer auf uns bezogen, auf unsere Gefühle. Das wollte ich nicht. Ich wollte eine andere Perspektive haben. Da kam der Hund.
Wie finden Sie die Worte dafür, was in der Natur passiert – gerade aus einer anderen Perspektive?
Ich glaube, ich mache das nicht – sondern sie kommen zu mir. Ich denke viel nach. Und dann überprüfe ich das Wort an dem Bild, das ich sehe. Es ist ein Prozess, der ich kaum beschreiben kann. Auf der einen Seite besteht er aus Technik und Handwerk, auf der anderen Seite aus Inspiration.
Wie würden Sie Ihre Beziehung zur Natur im Allgemeinen beschreiben?
Ach, ich lebe in einem kleinen Dorf, und davor habe ich in kleinen Dörfern oben im Norden gelebt. In der Nähe des Waldes, der Berge und des Wassers. Das hat einen großen Einfluss auf meine Sprache gehabt; die Natur ist mit meiner Sprache verschmolzen.
Ihre Sprache ist oft als “kraftvoll” und “präzise” beschrieben worden – was denken Sie, wenn Sie das lesen?
Ich kann es selbst nicht beschreiben, wie ich schreibe. Ich arbeite daran, das ist sehr wichtig. Es ist das Herz meiner Arbeit. Ich bin sehr vorsichtig mit Metaphern; falls ich welche benutze, dann nur, wenn sie von selbst kommen. Ich denke nicht „Oh, hierfür muss ich eine Metapher finden.“ Das ist der falsche Weg. Aber wenn sie von selbst auftauchen, dann kann ich sie testen. Eine Zeitlang erlaubte ich es mir überhaupt nicht, welche zu benutzen. Um die Sprache zu säubern, um sie auszuspülen, um sie immer mehr zu klären. Aber inzwischen bin ich damit nicht mehr so streng.