Freud und Leid
Iris Wewer beschreibt Geschwisteralltag auf liebevolle, einfühlsame Weise. Mal klappt es bestens, dann wieder macht sich der Altersunterschied bemerkbar, trennt ein Interessenkonflikt Bruder und Schwester, die gerade noch ein Herz und eine Seele waren. Die fröhlichen Illustrationen bewegen sich auf dem Grat zwischen Verkleidung und Verwandlung. Auch wenn die Hasenohren und das Stummelschwänzchen aus der Verkleidungskiste stammen: Die Hasenhopser sind echt. Die Storchenschnäbel werden von einem Gummi gehalten, aber das Fliegen gelingt tatsächlich.
Spiel wird zur Realität, es gibt nichts, was nicht möglich wäre, wenn man so in seine Rolle schlüpft. Das Abenteuer ist grenzenlos, der Bewegungsdrang ist außerordentlich. Auf so etwas Banales wie den Seitenrand kann man da kaum Rücksicht nehmen. Perspektivisch originell stürmen die Zwei durchs Buch. (Und wer genau hinschaut, wird eine Vielzahl witziger Details entdecken, die sich am Rande der Geschichte abspielen.)
Umso größer die Enttäuschung, wenn einer von beiden plötzlich aussteigt. Wir können’s nachfühlen. Gerade noch akzeptierter und geschätzter Partner und plötzlich fallengelassen wie die berüchtigte heiße Kartoffel. Tja, große Schwestern sind nun mal nicht berechenbar. Echter Ärger, gespielte Wut, bodenlose Enttäuschung und immer wieder reine Spielfreude, unbedingte Nähe und harmonische Eintracht: Das ist Geschwisterleben. Siege und Niederlagen wechseln sich ab, Iris Wewer hat unverbrauchte Bilder dafür gefunden. Und wer es erlebt (hat), wird das Buch lieben.