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Mittwoch, 08. Februar 2012 | 08:51

Johan Harstad: Darlah

25.02.2010

Der Mann im Mond

Da kommt einer daher, der traut sich im für Autoren zarten Alter von 30 Jahren, seine Spannung auf ganz subtile Weise zu erzeugen, ohne Mord und Totschlag, ohne Blutsauger, sondern fast altmodisch in einem Science-Fiction-Roman. Und das Verblüffendste ist: Man nimmt es ihm ab. Von BEATE MAINKA

 

2012 entschließt sich die NASA, eine auf dem Mond unter strengster Geheimhaltung in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts erbaute Mondbasis zu reaktivieren. DARLAH 2 soll von fünf Wissenschaftlern und drei Jugendlichen für zwei Wochen bewohnt werden. Die drei Jugendlichen werden in einer gigantischen PR-Aktion weltweit ausgewählt, mit dem Hintergedanken, durch diese Aktion Werbeeinnahmen zu kassieren. Mia aus Norwegen, Antoine aus Frankreich und Mido aus Japan reisen mit höchst unterschiedlichen Motivationen ins Space Center nach Houston zum Training an. Mia, Leadsängerin einer Mädchenband, wurde durch ihre Eltern zu dieser Expedition gedrängt, Antoine, der mit 17 Älteste, möchte seine gescheiterte Beziehung zu Simone überwinden und Mido erhofft sich durch den Trip die Möglichkeit, aus der traditionellen japanischen Frauenrolle ausbrechen zu können.

 

Fly me to the Moon

Weder Eltern noch Kinder ahnen, dass bei der letzten Apollo-Mission unerklärliche Vorgänge auf dem Mond zum Abbruch der bemannten Mondfahrt führten. Alle drei haben bereits während der Anreise unerklärliche Erlebnisse, die eine gewisse Nervosität schüren: Antoine etwa beobachtet am letzten Abend vorm Abflug in die USA über dem Meer einen beängstigend realen Flugzeugabsturz, den aber nur er wahrnimmt.

 

Training und Flug zum Mond klappen reibungslos, doch kurz nach der Ankunft in DARLAH 2 beginnen die Probleme. Der Strom fällt aus, beim Versuch der Reparatur kommen die ersten beiden Wissenschaftler um. Für die Teilnehmer beginnt ein Kampf ums Überleben, denn irgendetwas ist da draußen auf dem Mond, das alle Hebel in Bewegung setzt, um die Expedition zu sabotieren. Und auf der Erde verfolgt ein an Alzheimer erkrankter ehemaliger Mitarbeiter der NASA die Geschehnisse am Bildschirm und kann seinem Entsetzen darüber keinen Ausdruck verleihen.

 

Die Rückkehr der Science-Fiction

Wie wohltuend, inmitten all der Vampirromane und Fantasyepen endlich wieder einen Roman zu lesen, der sich traut, langsam und bedächtig Spannung aufzubauen und unterschwellig gekonnt zu steigern! Harstad kann getrost auf vordergründige Effekthascherei verzichten: Er beginnt seine Geschichte ganz realistisch und nachvollziehbar - schließlich lesen wir in den Medien alle Nase lang von Plänen, erneut die bemannte Raumfahrt aufzunehmen. Es gibt Fotos und Pläne, die den Text unterstützend illustrieren und ihm mitunter einen fast dokumentarischen Charakter verleihen. Doch dann, nachdem die Personen eingeführt sind, deren Situation ganz eindeutig erscheint, taucht das erste surreale, befremdende Element auf, das durchaus seine Wurzeln in frühkindlichen, längst überwundenen Ängsten der nervösen und gestressten Mondfahrer haben könnte. Noch glaubt man nicht, was nicht sein kann, oder doch? Wohin führt das alles, was steckt dahinter, worauf haben sich die Jugendlichen letztendlich eingelassen?

 

Wenn man alte Science-Fiction-Filme und Romane präsent hat, wird man zahlreiche Anleihen entdecken, aus denen Harstad im Nachwort auch keinen Hehl macht. Das Faszinierende an seinem Roman ist, dass er diese zu etwas in der momentanen Jugendliteratur gänzlich Neuem verarbeitet und das so gekonnt, dass einem die Nackenhaare zu Berge stehen - auch als erwachsenem Leser. Dazu kommt Kritik an einem Gesellschaftssystem, dass den materiellen Profit über die Sicherheit der Teilnehmer stellt. Und wozu bemannte Raumfahrt gut sein soll, das fragt man sich nach der Lektüre sowieso. Wer weiß, vielleicht gibt es ihn doch, den viel beschriebenen und besungenen Mann im Mond, und vielleicht ist er gar nicht so nett, wie wir denken ... 

 

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