Die Rückkehr der Science-Fiction
Wie wohltuend, inmitten all der Vampirromane und Fantasyepen endlich wieder einen Roman zu lesen, der sich traut, langsam und bedächtig Spannung aufzubauen und unterschwellig gekonnt zu steigern! Harstad kann getrost auf vordergründige Effekthascherei verzichten: Er beginnt seine Geschichte ganz realistisch und nachvollziehbar - schließlich lesen wir in den Medien alle Nase lang von Plänen, erneut die bemannte Raumfahrt aufzunehmen. Es gibt Fotos und Pläne, die den Text unterstützend illustrieren und ihm mitunter einen fast dokumentarischen Charakter verleihen. Doch dann, nachdem die Personen eingeführt sind, deren Situation ganz eindeutig erscheint, taucht das erste surreale, befremdende Element auf, das durchaus seine Wurzeln in frühkindlichen, längst überwundenen Ängsten der nervösen und gestressten Mondfahrer haben könnte. Noch glaubt man nicht, was nicht sein kann, oder doch? Wohin führt das alles, was steckt dahinter, worauf haben sich die Jugendlichen letztendlich eingelassen?
Wenn man alte Science-Fiction-Filme und Romane präsent hat, wird man zahlreiche Anleihen entdecken, aus denen Harstad im Nachwort auch keinen Hehl macht. Das Faszinierende an seinem Roman ist, dass er diese zu etwas in der momentanen Jugendliteratur gänzlich Neuem verarbeitet und das so gekonnt, dass einem die Nackenhaare zu Berge stehen - auch als erwachsenem Leser. Dazu kommt Kritik an einem Gesellschaftssystem, dass den materiellen Profit über die Sicherheit der Teilnehmer stellt. Und wozu bemannte Raumfahrt gut sein soll, das fragt man sich nach der Lektüre sowieso. Wer weiß, vielleicht gibt es ihn doch, den viel beschriebenen und besungenen Mann im Mond, und vielleicht ist er gar nicht so nett, wie wir denken ...