Eine Bestandsaufnahme
Die fiesen Geheimnisse sind nicht Cleos Schuld. Denn als sie wieder einmal auf ihre kleine Schwester Ellie aufpassen muss und mit ihr einkaufen geht, nimmt die einfach einen ganz süßen Stoffhund mit – in Hunde ist sie nämlich vernarrt. Und Cleo merkt das erst, als sie wieder draußen sind. Was soll sie nun tun? Zurückbringen geht nicht. Denn sie wohnt in der falschen Siedlung, in den Sozialwohnungsblocks, „dort, wo das Gesindel wohnt“: Da wird ihr doch keiner glauben, dass es ein Versehen war. Und dann hat auch noch Frau Hansen, ihre Lehrerin, gesagt, sie müsste unbedingt mit ihr reden, nach den Ferien. Sie hat den Diebstahl bestimmt gesehen. Und als sie sich Punch anvertrauen will, will der’s gar nicht hören: „Punch stützt den Kopf in die Hände. ‚Die Kammer mit den fiesen Geheimnissen ist proppenvoll’, sagt er leise. ‚Ich hab nur noch Platz für schöne.’“
Hilde Vandermeeren hat ein sensibles Buch geschrieben, über ein Mädchen, das in den sozialen Abstieg gezwungen wird: Der Vater ist tot, gegen einen Baum gefahren, die Mutter ist ein wenig verstört und macht sich ständig Sorgen, was die Leute denken. Und ihre Tante Jessica hat einen Freund, der sie schlägt, deshalb muss sie manchmal zu ihnen kommen, um sich auszuheulen. Und Cleos neue Freunde sind auch ein bisschen seltsam: nur Punch ist nett und erträglich. Immer hat er ein Notizbuch dabei und zeichnet hinein, kleine Skizzen, freche Karikaturen. Aber sein Bruder Kevin ist komisch: Ständig kurvt mit dem Moped immer durch die fußballspielenden Jungs und versucht dann auch noch, Cleo dazu zu bringen, für ihn Botendienste mit seltsamen Päckchen zu machen. Was Punch vehement verhindert. Und wo Kevin das Moped her hat, weiß auch niemand so recht: „vom Laster gefallen“? Und Mirko gibt mit seinem geheimnisvollen und aufregenden Nachtleben an. Das er gar nicht hat.