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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 06:05

S. A. Bodeen: Überleben

08.07.2010

Mit dem Monster in der Hölle

Ein Atomschlag hat die USA ausgelöscht. Eli und seine Familie haben in einem Luxus-Bunker überlebt. Sechs Jahre später wächst in Eli der Verdacht, dass sowohl am Leben im Bunker als auch an den Bildern von der zerstörten Außenwelt einiges nicht stimmt ... Von MAGALI HEISSLER

 

Der Familie von Rex Yanakakis geht es gut. Das ist kein Wunder, denn er ist Multi-Milliardär und seine Familie geht ihm über alles. Die Kinder besitzen alles, vom Musikinstrument bis zum Surfbrett, und von allem das Teuerste. Auch der Atomschutzbunker ist das Teuerste und Großartigste, was die moderne Überlebenstechnik nur zu bieten hat. Schließlich gilt er dem Schutz der Familie, und sie wird ihn brauchen, denn der Atomschlag wird kommen, davon ist Yanakakis fest überzeugt. Eines Tage ist es tatsächlich soweit und genau, wie er es vorgesehen hat, rettet er die Familie. Eine Panne allerdings gibt es, seine Schwiegermutter und einer der Zwillingssöhne schaffen nicht, rechtzeitig am Treffpunkt zu sein. Für seinen Sohn Eli, zum Zeitpunkt der Katastrophe neun Jahre alt, ist der emotionale Schlag unüberwindbar. Noch sechs Jahre später leidet er unter dem Verlust seines Zwillings genauso stark, wie am ersten Tag.

 

Eben die Pubertät bringt ihn dazu, über die Routine des Bunkerlebens hinauszudenken und die Frage nach dem Zustand der Außenwelt zu stellen. Die Antworten, die er findet, sind verstörend. Eli und seine Familie leben eine böse Lüge.

 

Liebe, Lügen, Knalleffekte

Bodeens Idee ist auf den ersten Blick durchaus bestechend. Die unterirdische Lebenswelt ist eine Idylle, ein kleines Familienparadies, gegründet auf umfassender Vaterliebe. Seine Funktionsweise ist originell ausgedacht. Nicht originell, aber zunächst überzeugend dargestellt, ist Elis ‚Erwachen’ und damit seine wachsende Wahrnehmung der zuerst kleinen Widersprüchlichkeiten, die unter seinen Augen immer größer werden, bis die Idylle platzt und Klaustrophobie und Machtbesessenheit zutage treten. Bei seinen ersten Auftritten ist Eli ein überzeugend beschriebener Teenager in altersentsprechenden Nöten, der sich mit einer zunehmend unübersichtlicher werdenden Situation konfrontiert sieht.

 

Sehr rasch aber zeigen sich die Schwächen des ganzen Konstrukts. Die Lösung des Rätsels liegt viel zu vorzeitig auf der Hand, was nicht zuletzt davon herrührt, dass die Autorin ein wenig zu häufig den Zufall bemühen muss. Die Zeichnung der Figuren, der Eltern, Elis sowie seiner Geschwister, wird blass und blasser, bereits im ersten Drittel des Buchs werden die Ansätze zu allem, was eine komplexe Geschichte über Familienstrukturen und Machtansprüche innerhalb eines Beziehungsgeflechts hätte ergeben können, geopfert. Die Personen bleiben eindimensional, ihre inneren Konflikte und die Schwierigkeiten, die sie miteinander haben, werden nur anbehauptet, ohne je zu überzeugen.

„Du warst nie ein guter Bruder!“ schreit eine Zwölfjährige etwa, und der Fünfzehnjährige ist betroffen. Er scheint zu wissen, was gemeint ist. Leserinnen und Leser dürfen das Vakuum nach Belieben selber füllen. Nicht daß es der Autorin wichtig wäre. Viel wichtiger ist die Endlos-Suche nach dem Ausstieg aus dem Bunker und die Entschlüsselung des Zahlencodes der Verriegelung und besonders die Auftritte dessen, der von ihr für die Rolle des Monsters ausersehen wurde. Bodeen greift tief in die Kiste mit den Gruseleffekten, allerdings erwischt sie fast nur altbekannte.

 

Markig ins zeitlose Nichts

Gearbeitet wird mit einer einfachen, oft ins Plakative abrutschenden Sprache. Wo die Gefühle versagen, prangen Kurzsätze, die tiefempfunden-markig wirken sollen, aber nur bei sehr anspruchslosen Leserinnen und Lesern verfangen werden. Wer auch nur kleinere Ansprüche an Texte stellt, wird sich an solchen Stellen unbehaglich fühlen, bei höheren Erwartungen wird unweigerlich der Detektor für Sentimentales schrillen.

 

Richtige Fragen stellt man bei der Lektüre besser keine, was angesichts der gegebenen Faktoren eine echte Unterforderung der Denkfähigkeit jugendlicher Leserinnen und Leser ist. Kein bisschen problematisiert wird z.B. die Rolle der weiblichen Erwachsenen in diesem Roman. Clea Yanakakis nimmt als Mutter wie als Frau eine äußerst diskussionsbedürftige Stellung ein, als Figur bleibt sie aber fest den handelsüblichen Klischees verhaftet. Sie liebt, duldet, leidet, weint, ihre Hilflosigkeit wird durch ihre Schwangerschaft noch unterstrichen, ein erschreckend unzeitgemäßes Frauenbild.

 

Nicht infrage gestellt wird auch ein ganz anderes Monster, die Gottheit der modernen Welt, das Geld. Schließlich ist es sein Reichtum und die enorme Bedeutung, die Reichtum in unserer Gesellschaft zugemessen wird, die es Yanakakis ermöglichen, zu tun, was er tut. Dieser Reichtum wird einerseits durchaus lustvoll beschrieben. Eine Diskussion der negativen Seite vermeidet die Autorin jedoch tunlichst. Am Ende muss sogar ein Fall von Geisteskrankheit in seinem Stammbaum als Begründung für Rex (nomen est omen!) Yanakakis’ Handeln herhalten. Einmal irre, immer irre. Das ist ein mehr als ärgerlicher Rückfall in die Anfänge des 20. Jahrhunderts.

 

Dieser Jugendroman hat de facto überhaupt kein Thema, er ist die eindimensional erzählte und vorurteilsbeladene Version der alten Geschichte einer in Not geratenen Gruppe, die immer panischer den Ausgang aus einem Labyrinth sucht, das Monster laut brüllend auf den Fersen. Einige Zeilen T.S. Eliot - die Schlußverse von ‚The Hollow Men’ - als Motto und reichlich Nennungen europäischen Kulturguts, wie Maler und Musiker, werten das Buch auch nicht auf, im Gegenteil.

 

Der eigentliche Knalleffekt am Ende ist präzise gesetzt und garantiert gruselig. Er öffnet überdies den Weg für eine mögliche Fortsetzung, ein Gedanke, allerdings, der die Jugendbuch-Kritikerin weit mehr zum Schaudern bringt.

 

Fazit: spannend. Sonst nichts.

 

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Kommentar:
das buch ist witzig.
| von hanes, 18.10.2010
ich finde das buch nicht sehr spannend
| von hias, 18.10.2010

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