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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 06:08

Hagena / Clemen: Albert Albatros albert

29.07.2010

Nonsense? Natürlich notwendig!

Ein Alphabet birgt mehr als Buchstaben: Seltsames, Fremdartiges, Skurriles, Verrücktes in sechsundzwanzig Variationen versteckt sich dahinter. Auf eine extravagante Entdeckungsreise geht MAGALI HEISSLER.

 

Alphabetische Ansammlung aberwitziger Artgenossen warnt der Untertitel - und man sollte die Warnung ernst nehmen. Was folgt, ist keine oberflächliche Buchstaben-Spielerei, sondern ein regelrechtes Lexikon von Tieren, deren Existenz Zoologen zwar grundsätzlich bekannt ist, deren persönliche Verhaltensweisen sie aber aufs Höchste verblüffen würden. Die Tier-Persönlichkeiten werden nicht nur in strikter alphabetischer Ordnung aufgeführt, nein, auch ihr Verhalten wird beschrieben und zwar mit Sätzen, die ausschließlich aus Worten bestehen, die den gleichen Anfangsbuchstaben haben wie das entsprechende Tierwesen. Da "nascht Nora Nashorn Nougat", "Olga Ozelots Onkel orgelt" und "Albert Albatros albert" nicht nur, sondern er tut das "ausgesprochen abends" und auch noch "auf Ausgucken abgewrackter Ausflugsdampfer".

 

Bis an die Grenzen der Sprache und darüber hinaus

Das Buch ist kein reines Bilderbuch für Kinder, obwohl sich auch ein kindliches Publikum an all den Merkwürdigkeiten erfreuen kann, die es zu lesen und zu sehen gibt. Das Vokabular ist weit gefasst, es reicht von ein wenig altmodischen Ausdrücken wie "kernig" oder "Quetschkommode" bis zu nicht ganz korrekten zeitgenössischen wie "crasht" ("Carla Chamäleons Computer" natürlich). Es gib "verschuldete Vogelspinnen-Vettern", "empörte Egerlinge" und gleich "hundert hämische Hühner". Formuliert ist es einfallsreich, hin und wieder werden Grammatikregeln ein wenig gedehnt, aber das schadet nichts, im Gegenteil, es verdeutlicht die Flexibiliät und Farbigkeit von Sprache.

 

In der Widmung reiht die Autorin 54 Adjektive aneinander, die mit dem Buchstaben ‚f’ beginnen, schließlich muss es zum Wort "Familienangehörige" passen. Diese Wörter nacheinander, sozusagen in einem Rutsch, auszusprechen, macht Sprache zum Genuss. Was die sechsundzwanzig Hauptpersonen und eine paar Dutzend Nebenfiguren dergestalt erleben, muss man lesen, um es zu glauben.

 

Experimentierfreude pur

Und betrachten! Die Collagen und Illustrationen von Stefanie Clemen sprühen vor Einfallsreichtum, der Text gewinnt durch sie weitere Dimensionen. Auch wird mit der Schrift fröhlich experimentiert, die Buchstaben wechseln die Farbe von Seite zu Seite, bei "Blasius Butt" schlagen sie fast Blasen und einmal steht sogar alles auf dem Kopf.

 

Es gibt überdies kleine Details zu entdecken, die die Geschichten weiterspinnen oder zum Weiterspinnen anregen. Letzteres stellt sich überhaupt als großer Pluspunkt beim Lesen und Betrachten dieses Buchs heraus: Es regt zu Aktivität an. Man kann die Sätze laut lesen und leise oder gemeinsam. Man kann sie deklamieren, als Zungenbrecher einsetzen, in Silben zerpflücken, man kann sie sogar singen. Das Ganze ist so liebevoll verrückt aufbereitet, dass den eigenen Verrücktheiten keine Grenzen gesetzt sind. Ein richtiger Spaß - ganz sicher nicht nur für Kinder!

 

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