Sinn für Wort und Klang
Eines der Hauptmerkmale in Schaflingers Lyrik ist seine exzessive Affinität zum Enjambement, die in nahezu allen seinen Gedichten die Zeilenenden mit doppeltem Sinn und die Gedichte mit neuen Fügungen versieht. Eine abschüssige Fahrt mit der selbstgebauten Seifenkiste wird da schnell mal zum Trip durchs Universum:
NACHTS MIT DIR IM AUTO GEGEN DIE WAND.
EIN SCHULDGEFÜHL.
Weiter nichts
außer daß Schnee keine handfeste
Größe war nur Flocken
rasten auf uns zu so etwa müßte man sich
in leicht abschüssiger Milch
Straße bewegen im Sternenstaub mit
dieser Gänsehaut eines Astronauten aber du neben mir
dachtest an alle Spielarten des Glücks oder an Seifen
Kistenrennen und wie du hinein
fuhrst zum Bremsen in die Ballen aus Stroh
als strahlender Sieger
kehrtest du heim indes deine kleine Schwester
hatte noch Laufen zu lernen
an ihrem Buggy fehlten plötzlich die Räder
Während es bei den Tagesthemen größtenteils um aktuelle Geschehnisse, um das Heute bis zum Redaktionsschluss handelt, begibt sich Schaflinger in seinen Gedichten gerne in Kindheit und Jugend zurück, konserviert in ihnen Momente des Glücks, aber auch Tragisches, Alltägliches.
Die von DAS GEDICHT-Mastermind Anton G. Leitner im Verlag Steinmeier herausgegebene Reihe "POESIE 21" zeichnet sich durch abwechslungsreiche Gedichtbände bereits bekannterer AutorInnen, aber auch durch lyrische Debüts sowie stimmige Lyrik-Anthologien aus. Schaflingers "Flüchtige Substanzen", als Band 30 der Reihe erschienen, versammelt 53, in drei Kapitel unterteilte Gedichte – jedes von ihnen ausgestattet mit Sinn für Wort und Klang, mit Emotion und, ja, auch mit Ironie: Wenn ein Fernsehmensch im letzten Gedicht seines Bandes den Sendeschluss mit der "Angst vor der Stille" umschreibt, dann ...