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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 06:11

David Benioff: Alles auf Anfang

26.07.2010

Merde bringt Glück!

Nach dem Bestseller Stadt der Diebe erweist sich David Benioff auch als Meister über die kurze Distanz. Ein begnadeter Geschichtenerzähler mit dem Gespür für die Macht des Augenblicks – und den Humor, der aller menschlichen Tragik beiwohnt. Von TOM ASAM

 

Alexander sitzt im Flugzeug. In seiner eigenen Scheiße! Nachdem Passagiere und Flugbegleiterinnen feststellen, dass der unsäglich Gestank nicht dem Baby in der Reihe hinter ihm zuzuschreiben ist, wendet sich die Aufmerksamkeit Aller ihm zu. Zunächst versucht man es noch mitfühlend und Hilfe anbietend. Doch als Alexander einfach nicht reagiert und stur vor sich hin starrt, entgleist die Lage allmählich. Während alles um in herum immer hektischer wird, scheint er seinen Körper zu verlassen und mittels Gedanken in eine Zeit des Glücks zu reisen. Ausgefallene, dem Hedonismus und dem Körperkult gewidmete Partys und ein Leben mit dem schönen Hector ziehen vor seinen Augen vorüber. Nach und nach erfährt der Leser wie nahe Himmel und Hölle einander doch immer wieder sind und dass es weitaus mehr ist als die Folgen einer Magenverstimmung, was Alexander in seine missliche Lage gebracht hat.

 

Genickbruch und Schmetterlinge im Bauch

In Barfuß im Klee lernen wir Leon kennen, der einst auf dem besten Wege zum allseits vergötterten Football-Star war. Bis ihm ein Genickbruch einen Strich durch die Rechnung macht. Vierzehn Jahre später arbeitet er in der Versicherungsgesellschaft des Vaters mit und führt ein gleichförmiges, einsames Leben. Da beschließt er, sich auf die Suche nach der Frau seines Lebens zu machen. Mit der er immerhin einen ganzen Nachmittag verbracht hatte. Im „geliehenen“ 1955er Eldorado- Cabrio, mit The Clash im Kassettendeck, Schmetterlingen im Bauch, einem Tiger im Tank und einem Leben voller Verheißungen vor dem Kühlergrill. Wohin die Reise geht?

 

Who cares?, denn „die Fahrt ist doch das Schönste!“ Natürlich wissen wir, dass sich sein Traum nach dem großen Wiedersehen, dass für alle Leiden entschädigt, nicht erfüllen wird. Doch  trotzdem gibt es im Detail immer wieder überraschende Entwicklungen in den kleinen Alltagsdramen Benioffs. Welcher durch seine technische Perfektion genauso überzeugt, wie mit seinem Gespür für den Mann auf der Straße und die Fähigkeit, Typen zu stilisieren ohne sie zu überzeichnen. Das hat zur Folge, dass dem Gedanken „Eine Story geht noch vor dem Schlafengehen“ eine kurze Nacht und ein schnell ausgelesenen Buch folgen. Hoffentlich kommt Benioff, der mittlerweile hauptsächlich als Drehbuchautor (u.a. Troja) tätig ist, auch mit wenig Schlaf aus und legt bald weitere Zeugnisse seiner Fabulierkunst vor!

 

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