von Michael Ebmeyer Andrea Maria Schenkel: Finsterau "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Eli Pariser: Filter Bubble Der FUTTERblog - streng verdaulich! Kennzeichen T - 28.04.2012
Donnerstag, 24. Mai 2012 | 06:15

Tove Appelgren: Keiner hat mich lieb, findet Josefine

05.08.2010

"Ich bin immer die Alleinste!"

Kinder aus Patchworkfamilien haben es nicht immer leicht haben, ihren Platz in der Familienhierarchie zu finden. Da werden schnell falsche Rückschlüsse gezogen wie von Josefine, dem Sandwich-Kind. Von BEATE MAINKA

 

Wir schlagen das Bilderbuch auf und haben die pure skandinavische Sommeridylle vor Augen, ein nettes Holzhäuschen am Strand, ein kleines Mädchen, das gerade mit Schwimmring vergnügt aus dem Wasser stapft, die Mutter, die draußen das Geschirr abwäscht, ein Dreirad, Möwen auf dem Dach, herumliegendes Spielzeug. Tatsächlich geht das auf der nächsten Seite auch noch so weiter, denn Josefine spielt vergnügt mit ihrer kleinen Schwester Freja und ist die Prinzessin vom Spielhäuschen. Doch das Unheil naht in Form von Stiefschwester Wendla, die nun die Rolle der Prinzessin übernehmen will. Schon entwickelt sich der allerschönste Streit, Mamas Schlichtungsversuch scheitert, Josefine schmeißt hin und verschwindet schmollend auf ihrem Stein im Schilf. Dort versinkt sie in Selbstmitleid, denn ihren großen Bruder Paul, Wendla, die Tochter von Mamas neuem Mann Viktor und die kleine Freja hat Mama sowieso viel lieber. Doch manchmal helfen auch düstere Fantasien wie über die eigene Beerdigung und schon entsteht daraus ein Spiel, das alle begeistert aufgreifen. Und dann geht Mama doch tatsächlich spätabends noch mit Josefine baden, ganz allein zu zweit.

 

Das Bullerbü-Gefühl

Warum verstehen es eigentlich ausgerechnet die Skandinavier so ausgezeichnet, auch schwierige Themen mit leichter Hand und ohne Holzhammer-Pädagogik an das Kind zu bringen? Die beiden Schwedinnen Tove Appelgren und Salla Savolainen beweisen das auch in ihrem vierten Bilderbuch mit Titelheldin Josefine, nachdem sie bereits so grundlegende Themen wie den Wunsch nach einem Hund oder das abendliche Zu-Bett-gehen erfolgreich thematisiert haben. Vielleicht liegt es daran, dass die Schweden ihre kleinen Helden mitsamt ihrer noch unausgegorenen Gefühlswelt ernst nehmen, das war schon bei Astrid Lindgren so und hat sich bei Generationen von schwedischen Kinderbuchautoren, unter Berücksichtigung sich wandelnder Familienformen, fortgesetzt. Zudem gönnen sie ihren kleinen Mitbürgern Freiheiten, von denen etwa deutsche Kinder nur träumen können, was vielleicht auch an der grenzenlosen Weite der schwedischen Landschaft liegen könnte. Da hat man Auslauf und findet schnell sein Rückzugsgebiet wie etwa Josefine ihren Stein im Schilf.

 

Problemlösung ganz nebenbei

Gibt es dann doch einmal ernsthafte Probleme, so löst man sie im Vorbeigehen, nebenbei, ohne großes Aufsehen und schon gar nicht mit Schuldzuweisungen. So auch Josefines Mutter, die sich des Ernstes der Lage durchaus bewusst ist, aber auch nicht so recht weiter weiß und zunächst einmal den Zorn ihrer Tochter verrauchen lässt, um dann, als diese ihr Problem alleine gelöst hat, diese Initiative mit einem abendlichen Zusammensein zu belohnen. Das zeugt von hoher pädagogischer Finesse, dem Glauben an die Stärken ihrer Kinder sowie einer großen Portion Gelassenheit im Umgang miteinander.

Ob die schwedische Kindererziehung, wie sie in vielen Bilderbüchern wie etwa der hinreißend anarchistischen Max-Reihe von Barbro Lindgren und Eva Eriksson dargestellt wird, tatsächlich der rauen Realität entspricht, sei dahingestellt. Wir erkennen die gute Absicht und schneiden uns eine dicke Scheibe davon ab. Unsere Kinder werden es uns danken!  

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Öko oder Nazi - Hauptsache Pirat!

Die gute Nachricht zuerst: Die Polizei hat diese Woche bei einer Razzia in Nordrhein-Westfalen zwanzig Wohnungen durchsucht und drei Rechtsextreme im Alter zwischen 18 und  20 Jahren ...

Maler der Farben und Formen

Üppige Figuren und bunte Farben sind die Markenzeichen des kolumbianischen Malers Fernando Botero. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt die Galerie Samuelis Baumgarte Bilder, ...

Garten Eden vor der Haustüre

Sie heißen Tigerella, Gelber Squash oder Rote von Paris. Sie gehören alten Sorten an, die oftmals in Vergessenheit geraten sind – doch ihre Farben-, Formen- und Geschmacksvielfalt ...

Verstaubt ohne Ende

Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Trash, Hype, Diskursgewaber & Nostalgieambient

Kurz und bündig: KRISTOFFER CORNILS über Pink Holy Days, Laurel Halo, Motion Sickness Of Time Travel und ...

Augenblicke des »alten Europa«

Tony Judts literarischer Gang durch sein Chalet der Erinnerungen.

 

Von WOLFRAM SCHÜTTE

Gegen die Dominanz des Beliebten

Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken ...

Er lebt, und er weiß es

Es muss einfach einmal gesagt werden: Er ist einer der Größten. Nächstes Jahr wird Randy Newman siebzig, und seine Zuhörer sind mit ihm alt geworden. Aber es sind genug, um den ...

No sleep till Pixel

Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...

No sleep till Pixel

Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...