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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 06:20

Roman Schatz: Der König von Helsinki

16.08.2010

Bei Drei auf dem Rentier

Eine Buchkritik zu schreiben dauert seine Zeit. Dabei gilt die einfache Formel: Je mehr das Buch dem Rezensenten gefallen hat, desto mehr bemüht er sich, eine gelungene, fein abgewogene Kritik zu schreiben, die hoffentlich andere Menschen zum Kauf des besprochenen Werkes bewegt, und desto mehr Zeit ist er auch gewillt, ins Schreiben seiner Rezension zu investieren. Wenn ich jetzt also zu Roman Schatz’ Buch nur schreibe: “Es ist nicht gut.”, dann können Sie sich im Umkehrschluss ausrechnen, WIE SEHR nicht gut ich es fand … Von FLORIAN HOFFMANN

 

Das muss natürlich alles nicht heißen, dass Ihnen, lieber Leser, das Buch nicht gefallen könnte! Wenn Sie Ihre Erwartungshaltung gerade rücken und von einem Buch, das mit dem Untertitel „Wie ich der berühmteste Deutsche Finnlands wurde“ wirbt, sich nicht erhoffen, dass es Ihnen erzählt, wie jemand der berühmteste Deutsche Finnlands wurde, sondern wie er vielmehr alles bumst, was bei Drei nicht auf dem Rentier ist, dann sind Sie auf einem guten Weg dorthin.

 

Wenn schon, warum dann nicht gleich Fotoroman, Roman?

Nicht, dass mich Kopulation in einem Buch grundsätzlich stören würde, aber ab einer gewissen Frequenz ist das kein autobiographisches Erzählen mehr, sondern nur noch peinlich. Vor allem, wenn es in dieser Sprache daherkommt:

 

Schwangere Frauen haben mich schon immer geil gemacht, weil man ihnen eindeutig ansehen kann, dass sie anständig gevögelt worden sind.

 

Auch schön:

 

Diese himmlische Kreatur brachte mich so durcheinander, dass ich keinen hochkriegte. Bestimmt hatte sie schon begonnen, an meiner Orientierung oder an meinen Fähigkeiten zu zweifeln. Wir hatten bereits alle Techniken ausprobiert, für die es keiner Erektion bedurfte. Ich wusste, das ich, um wenigstens die kläglichen Reste meiner Glaubwürdigkeit zu erhalten, sie so bald wie möglich anständig durchzuficken hatte, noch aber war ich viel zu bezaubert, um mich entspannen zu können.

 

Natürlich geht es nicht hauptsächlich nur um Sex in diesem Buch. Es geht auch um Schatz´ Lebensweisheiten (z.B. „Vegetarier fressen Pflanzen, Humanisten Menschen.“), darüber hinaus gibt er rechtsradikalen Finnen eine Geschichtsstunde, indem er ihnen zeigt, mit welcher Hand der Hitlergruß auszuführen ist, und er hat eine kleine Orgie mit seinem Bruder, seinem Vater und ein paar Prostituierten. Ups – sorry! Offensichtlich geht es in dem Buch natürlich doch hauptsächlich um Sex …

 

Gerne hätte ich auch etwas Nettes über dieses Buch geschrieben, wie z.B. „Dieses Buch ist auf chlorfrei gebleichtem Recyclingpapier gedruckt worden.“, aber leider geht nicht mal das. Die vielleicht größte Überraschung bei Der König von Helsinki ist die Rezensionszeile auf dem Cover: „Schräge Biografie, Reiseführer und gut beobachtete Landeskunde in einem.“ Diese Worte hat ein Kollege oder eine Kollegin von Spiegel spezial geschrieben. Falls er oder sie diese meine Kritik hier liest, möge er oder sie sich doch bitte mal bei mir melden – wir haben zu reden.


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