Daniel Bielenstein: FAQ. Keine Show ist härter als das Leben
26.08.2010
Antworten auf alle Fragen
Was beschäftigt einen 17jährigen? Was sind die Fragen, die er sich stellt, wenn er über sich, das Leben und die Liebe nachdenkt? Florian Krauss, 17, liefert 49 Frequently Asked Questions eines männlichen Teenagers – und die dazugehörigen Antworten. Von ANDREA WANNER
Nike oder Adidas? Können Nazis bis drei zählen? Wie wichtig ist Sex? Wozu dient ein Vaterschaftstest? Wie wird man reich? Darf ich im Internet alles? Gibt es Gott, und wenn ja, warum hat er keine Facebook-Seite? – die kleine Auswahl zeigt das breite Spektrum der Dinge, die Florian beschäftigen. Kunterbunt aneinandergereiht folgt eine Frage auf die nächste und wird mit jeweils mit einer Antwort abgeschlossen.
Die Clique
Sind Florians Fragen typische Fragen für einen 17jährigen? Vielleicht ist es die erste Frage, die er stellt, die den Leser an der Ernsthaftigkeit seines Unterfangens zweifeln lässt. „Woran erkenne ich, ob ich von Außerirdischen abstamme?“ lautet sie – und vielleicht ist es erwachsenen Lesern vorbehalten, sich an dieser Stelle zu fragen, ob der Junge einen Knall oder sich nur zu lange in der Sonne aufgehalten hat. Jedenfalls ist man nur mäßig eingestimmt auf die nächste, weitaus ernsthaftere Sache, die Florian beschäftigt: „Wie bekomme ich Sex mit einem Supermädchen?“.
Und weil so grundverschiedene Fragen wirklich schwierig zusammenpassen, kommen Florians Kumpels ins Spiel: Sander, Malte und Holly, die kurz und knackig charakterisiert werden: „Sander ist eher der ernsthafte Typ, Malte ist ein Chaot und Holly ist sexsüchtig.“ Für die Antwort auf Frage 2 muss aber nicht Holly herhalten, der sich an alle Mädels ranmacht, sondern Malte. Und die Antwort ist eigentlich auch keine richtige Antwort, sondern eine Geschichte, wie es Malte mit einer guten Portion Glück gelang, an ein Supermädchen zu gelangen. So funktionieren viele der Fragen: Florian stellt sie und berichtet dann von einem Erlebnis mit der Clique, in dem zumindest ein Lösungsansatz für das Problem steckt. Das klappte prima, zumal die vier Freunde ausgesprochen unternehmungslustig sind und weder nächtliche Fahrten ohne Führerschein mit dem elterlichen Auto ans Meer, philosophische Fragen noch Kochduelle scheuen.
Die Antworten
Das persönlich Erlebte, das Florian zum Besten gibt, ist witzig, originell und passt zum Lebensgefühl vieler Teenies. Schwieriger wird es mit dem Teil „Die Antwort“. Da blitzen öfters als man sich das wünschen kann die Gedanken von Daniel Bielenstein, dem Autor des Buches, durch. Der ist nicht 17 sondern 43 Jahre alt und sein Blick auf die Welt ist natürlich ein anderer, abgeklärterer, den man einem Siebzehnjährigen nicht immer abnimmt.
Was da so locker erzählt wird, wird an vielen Stellen pseudophilosophisch untermauert, klingt altklug und ist schlicht überflüssig. Nachdem Bielenstein an vielen Stellen den Ton gut trifft, braucht es den Antwortteil eigentlich gar nicht. Oft wiederholt er sowieso nur das, was vorher bereits viel passender gesagt wurde.
Wie nahe kommt man Florian? So nahe, wie man einem 17jährigen eben kommen kann, der davon überzeugt ist, dass er in Wahrheit ein Alien ist. Das Frage-Antwort-Spiel ist an vielen Stellen flapsig und verrät genau so viel, wie sowieso alle schon wissen. Das aber geschieht auf amüsante, unterhaltende Art und ist vielleicht vor allem für zwei Zielgruppen aufschlussreich: Eltern – und Mädchen. Vieles ist einfallsreich und wird jungentypisch beantwortet wie beispielsweise die Frage „Was sollte ich auf eine einsame Insel mitnehmen?“, die in der Gruppe diskutiert wird und zu amüsanten Ideen führt. Ob das Leben ansonsten wirklich so funktioniert wie Florian uns das glauben machen will? Auf diese Frage gibt es keine Antwort, sein Umgang mit der Realityshow LEBEN fällt dennoch in die Kategorie lesenswert.
 
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