Breite Einstimmung
Mag sein, dass die Lyrik von Eugen Roth in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch für Schenkelklopfer gesorgt hat, heute lockt sie kaum einen (Sau-)Hund mehr hinterm Ofen vor. Und selbst wenn danach noch der „Bayerische Defiliermarsch“ von der Oktoberfestkapelle Otto Schwarzfischer ertönen darf, mag im Bierzelt noch fleißig dazu geschunkelt werden, zuhause im Wohnzimmer aber kommt keine Laune auf.
Die beiden Stücke der Biermösl Blosn allerdings, die sich nicht scheuen, auch Themen wie „Fremdenfeindlichkeit auf der Wies´n“ anzusprechen, sind hingegen absolut hörenswert. Das Lied „Welcome to Bavaria“ ohrwurmt sich musikalisch zwar harmlos dahin, ist inhaltlich jedoch ein geradezu brodelnder Kelch satirischer Säuren:
„Welcome to Bavaria, welcome to jodeling area
through mountain, lakes, nice countrysides
and bavarian Gemütlichkeit.
We are we and we write us us,
it’s bavarian liberalitas.
We are the Jesus mountain chetnicks
fighting for the Kruzifix!”
Positiv überraschen kann auf der CD sogar Christian Ude. Den amüsanten Plaudereien über sein Oberbürgermeisteramt hört man einfach gerne zu und erfährt so nebenbei, dass er nachts keine Schafe, sondern die 800 Millionen Chinesen zählt, die ihm beim Anstich des ersten Bierfasses am Eröffnungstag der Wies´n zusehen.
Insgesamt bieten die Wiesngeschichten eine breite (sic!) Einstimmung auf die bevorstehenden drei Wochen Münchner Wahnsinn. Die Erwartbarkeit der Zusammenstellung zeitigt dann halt ein entsprechend konturloses Ergebnis für den Massengebrauch.
Wenn dann aber Karl Valentin und Liesl Karlstadt nach ein paar Maß und einem Karussellbesuch noch in Hut und Handtascherl reihern dürfen, dann scheint er doch noch gelungen, der große Bogen vom historischen zum modernen Oktoberfest.

