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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 06:32

Ross Raisin: Schöne Gegend

20.09.2010

Moor and more

Diese einfühlsame Charakterstudie über einen jugendlichen Außenseiter verzichtet auf reißerischere Elemente und überzeugt mit subtiler Spannung. Von TOM ASAM

 

Sam ist der Sohn einer Schafzüchter-Familie in den Yorkshire Moors. Arbeiten und Funktionieren stehen im konservativ-bäuerlichen Umfeld im Vordergrund. So scheint es für die Eltern nicht allzu tragisch, dass Sam nach einem vermeintlichen sexuellen Übergriff der Schule verwiesen wird und dem strengen Vater folglich mehr zur Hand gehen kann. In Sam jedoch brodelt es. Er spürt, dass er als Außenseiter gilt und im Dorf genau beäugt wird. Zudem hat er feine Antennen dafür, wie Traditionen und die Wertschätzung der Natur durch den Zuzug reicher Städter an Bedeutung verlieren. Der Junge verbringt seine freie Zeit grübelnd und beobachtend alleine in den Moors.

Einzig die Tochter der neuen, reichen Nachbarn scheint sich für den scheuen, leicht schrobigen Jungen zu interessieren. Er beginnt sich langsam mit Josephine zu befreunden. Gleichzeitig schlägt er bei einigen Streichen etwas über die Stränge. Als er das Mädchen dazu überredet, gemeinsam abzuhauen, wird aus dem anfänglichen Abenteuer schnell eine Situation, die völlig aus den Fugen zu geraten droht.

 

Überzeugende Außenseiter-Studie

Raisin gelingt es, in dieser Außenseiter-Studie überzeugend die Sichtweise des Jungen einzunehmen. Der Verzicht auf Satzzeichen bei der direkten Rede – und auch bei fiktiven Gesprächen - verdeutlicht, wie die Gedankenwelt des Jungen mit der Realität verschwimmt. Obwohl der Jugendliche widersprüchliche Charakterzüge in sich zu vereinen scheint, gelingt die Darstellung seiner empfindsamen Seele vorzüglich. Wie schwer es gerade für Jugendliche ist, ihren eigenen Weg zu finden, wenn sie auf Vorurteile und mangelnde Unterstützung treffen, stellt Raisin dabei ebenso eindringlich dar wie die gesellschaftlichen Veränderungen, welche die Globalisierung auch für ländliche Gebiete mit sich bringt. Dass es dabei für meinen Geschmack in der zweiten Hälfte des Buches zu leichten Längen kommt, ist zu verschmerzen. Dieser von subtiler Spannung geprägte Roman ist mit Sicherheit nicht das letzte Wort eines vielversprechenden Autors.


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