Es ist ein Brief, verdeckt von Rechnungen und Werbung, der Benjamins Leben auf den Kopf stellt. Der Brief trägt einen irischen Absender, versehen mit dem Ort, an dem der 36-Jährige einst seine erste große Liebe traf, während eines Schüleraustausches im Herbst 1989, dem Jahr des Mauerfalls.
Inzwischen ist aus Benjamin auf den ersten Blick das geworden, was man einen erfolgreichen, karrierebewussten Mann nennen würde. Als Banker arbeitet er in Frankfurt, jettet zwischen den Kontinenten hin und her, besitzt eine schicke Wohnung in schöner Lage und neben seiner Freundin gleich noch eine Geliebte.
Doch der zweite Blick verrät, dass Benjamin trotz alledem nicht glücklich ist. Sein Leben erscheint ihm rast- und ziellos, sein Job ist geprägt von Oberflächlichkeit und der Gier nach dem großen Geld und weder seine Freundin und noch seine Geliebte können ihm die Liebe geben, nach der er sich sehnt.
Was Benjamin all die Jahre erfolgreich verdrängt zu haben schien, kehrt nun mit diesem Brief in sein Leben zurück: Denn er hat Victoria, seine große Liebe aus Irland, nie vergessen.
Schlagartig tauchen all die Erinnerungen an die vergangene Zeit auf und mit dem ungeöffneten Brief in der Tasche bricht Benjamin zu einer Geschäftsreise in das Land auf, das der Ursprung seiner tiefen Gefühle ist.
Autor Markus Feldenkirchen entwirft bereits zu Beginn seines Debütromans Was zusammengehört eine stimmige Ausgangssituation. Mit dem Brief beginnt für den Protagonisten eine plötzliche Krise, er beginnt sein gegenwärtiges Leben und seine Gefühlswelt zu reflektieren, an die sich sowohl eine gedankliche Reise in die Vergangenheit als auch der reale Weg nach Irland, die Heimat seiner damaligen großen Liebe, anschließt. In als Rückblende gestalteten Kapiteln schildert Feldenkirchen den aufflammenden Beginn der Beziehung zwischen Benjamin und Victoria, ihre gemeinsame Zeit in Deutschland und das schmerzvolle Ende. Dazwischen schiebt er immer wieder Kapitel ein, die von Benjamins gegenwärtiger Reise berichten, seinem Prozess des Erinnerns und dem Bewusstwerdens.
Der Brief, den Benjamin Jahrzehnte später erhält, erweist sich in Feldenkirchens Roman als durchgängiges Spannungselement. Erst am Ende der Geschichte kennt der Leser seinen wirklichen Verfasser und Inhalt und damit zugleich auch die Gründe für das damalige Scheitern der Beziehung zwischen Benjamin und Victoria. Dieser Brief ist es auch, der sich wie eine Nabelschnur Vergangenheit und Gegenwart Benjamins verbindet und und so unter anderem als Spannungselement den Leser davon abhält, sich komplett in den Kapiteln, die Benjamins und Victorias Zeit der Liebe beschreiben, zu verlieren.
Diese Gefahr besteht nämlich durchaus. Und wenn man hier von Gefahr spricht, dann ist dies im besten Sinne gemeint. Denn Feldenkirchen erzählt Victorias und Benjamins Geschichte so behutsam, so zärtlich, dass es unmöglich ist, nicht davon berührt zu werden. Ihm gelingt eine völlig unprätentiöse und zugleich ergreifende Schilderung der ersten großen Liebe, die den Leser mal nachdenklich, mal schmunzelnd und hier und da auch ein klein wenig wehmütig zurücklässt.
Das Besondere an dieser Schilderung ist die Verknüpfung mit den politischen Ereignisse im Herbst 1989, die Feldenkirchen immer wieder einfließen lässt und die sich auch im Romantitel Was zusammengehört widerspiegeln. Die Liebesgeschichte zwischen Victoria und Benjamin vollzieht sich vor dem Hintergrund des Mauerfalls und der darauffolgenden Wiedervereinigung Deutschlands. Dies geschieht jedoch ohne die typische Bedeutungsschwere und Symbolkraft, die solchen historischen Momenten häufig anhaftet. Vielmehr werden die Ereignisse aus der Perspektive des damals 16-jährigen Benjamins geschildert und man erfährt, dass sowohl ihm als auch seinen Mitschülern das Ereignis fremd, beinahe sogar bedeutungslos erscheint. Eine Erkenntnis, die für die sogenannte „Generation Wiedervereinigung“ bestimmend sein sollte.