Lilli L´Arronge: Chaos in Bad Berleburg
04.10.2010
Bilderbuchspaß - völlig zweckfrei
Eigentlich besprechen wir an dieser Stelle Bilderbücher, die pädagogisch und/oder künstlerisch besonders erwähnenswert sind. Heute drehen wir den Spieß um und brechen eine Lanze für die pure Unterhaltung. Von BEATE MAINKA
Schon das Vorsatzblatt führt in die Geschichte ein, wir sehen den Weg einer Banane vom Samenkorn über Ernte und Transport bis in die Hände eines erfreut lächelnden kleinen Jungen. Der verspeist diese und – Achtung, uralter Slapstick! – wirft die Schale auf den Boden. Seine größere Schwester ermahnt ihn und erntet ein gewisses Unverständnis, denn der Junge beginnt sich auszumalen, was tatsächlich alles passieren könnte. Und das so vernünftig wirkende Mädchen steigt nach anfänglicher Skepsis begeistert ein. Es beginnt mit dem Geschäftsmann im feinen Zwirn, der natürlich auf der Bananenschale ausrutscht und diese dabei einer Omi mit Mops ins Gesicht befördert. Gleichzeitig stößt er beim Hinfallen eine Leiter um, auf der der dort befindliche Maler seinen Farbtopf fallen lässt, der einem vorbeiradelnden Passanten die Sicht nimmt. Derweil entfleucht der Mops, jagt eine Katze, welche eine Gruppe Demonstranten aufmischt. Am Horizont taucht ein Schweinelaster auf, der…
Das perfekte Chaos
Das alles und noch viel, viel größere Katastrophen präsentiert die junge französische Autorin und Illustratorin mit logischer Konsequenz und lässt die Verkettung unglücklicher Zufälle hemmungslos immer mehr ausarten. Der Bildausschnitt in der Gedankenblase der Kinder wird immer weiträumiger wie bei einen rückwärtigen Kamerazoom, während das Vergnügen auf deren Gesichtern zunimmt. Im letzten Bild des Gedankenspiels versinkt die Stadt im Chaos, entlaufene Zootiere mischen sich mit den Schweinen, die Feuerwehr wird aktiv, und über allem angelt King-Kong im Hintergrund nach Flugzeugen. Mittendrin steht das vergnügte Geschwisterpaar wie ein Fels in der Brandung und grinst breit. Im nächsten Bild sind wir zurück in der Realität an der Straßenkreuzung, es treten auf ein Geschäftsmann, ein Maler auf der Leiter, eine ältere Dame mit Mops – und eine Bananenschale. Das hintere Vorsatzblatt hält für den aufmerksamen Beobachter noch einige Überraschungen bereit.
Das reine Vergnügen
Es ist als Rezensentin sehr erholsam, ein Bilderbuch zu besprechen, dessen einzige Intention es ist, Spaß zu machen. Es gibt keine pädagogische Botschaft wie etwa, man soll keine Bananenschalen wegwerfen – im Gegenteil! Der buchstäbliche pädagogische Zeigefinger der Schwester wandelt sich ganz schnell in die Lust an anarchistischer Schadenfreude, sämtliche Pannenshows lassen grüßen. Da lässt sich die Ältere vom kleinen Bruder anstecken. Und wer dann doch den interpretatorischen Überbau braucht, um die Anschaffung dieses herrlich komischen Buches zu rechtfertigen, dem sei versichert, dass das gemeinsame Betrachten des Buches die heitere Nähe zwischen Groß und Klein beträchtlich fördert. Hinzu kommen bauchstraffendes Zwerchfelltrainig, Schulung der Beobachtungsgabe und Förderung des logischen Denkvermögens, wenn die Zusammenhänge der einzelnen Bildsequenzen aus dem Gesamtkontext herausgearbeitet werden. Allen anderen sei viel Vergnügen gewünscht!


|
Öko oder Nazi - Hauptsache Pirat!
Die gute Nachricht zuerst: Die Polizei hat diese Woche bei einer Razzia in Nordrhein-Westfalen zwanzig Wohnungen durchsucht und drei Rechtsextreme im Alter zwischen 18 und 20 Jahren ...
Maler der Farben und Formen
Üppige Figuren und bunte Farben sind die Markenzeichen des kolumbianischen Malers Fernando Botero. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt die Galerie Samuelis Baumgarte Bilder, ...
Garten Eden vor der Haustüre
Sie heißen Tigerella, Gelber Squash oder Rote von Paris. Sie gehören alten Sorten an, die oftmals in Vergessenheit geraten sind – doch ihre Farben-, Formen- und Geschmacksvielfalt ...
Verstaubt ohne Ende
Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls ...
Götter verstehen keinen Spaß
Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...
Trash, Hype, Diskursgewaber & Nostalgieambient
Kurz und bündig: KRISTOFFER CORNILS über Pink Holy Days, Laurel Halo, Motion Sickness Of Time Travel und ...
Augenblicke des »alten Europa«
Tony Judts literarischer Gang durch sein Chalet der Erinnerungen.
Von WOLFRAM SCHÜTTE
Gegen die Dominanz des Beliebten
Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken ...
Er lebt, und er weiß es
Es muss einfach einmal gesagt werden: Er ist einer der Größten. Nächstes Jahr wird Randy Newman siebzig, und seine Zuhörer sind mit ihm alt geworden. Aber es sind genug, um den ...
No sleep till Pixel
Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...
No sleep till Pixel
Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...
|