Etwas anderes als das Leben gibt es nicht
Blasco hat einen Helden eigener Art entwickelt. Damián erzählt genau, aber zurückhaltend, er beschreibt eher, als dass er kommentiert, er nimmt auf, er analysiert wenig, weil er nicht versteht. Er ist kein passiver Held, aber einer, der zunächst nur reagiert. Es dauert lange, bis er wieder agieren kann. Der Tod des Vaters hat die Familie auseinandergesprengt, es geht dem Autor durchaus darum zu zeigen, wie sie wieder zusammenkommt. Tatsächlich aber schildert Blasco die Auseinandersetzung Damiáns mit seinem Vater, etwas, das er zu dessen Lebzeiten nie getan hat, weil es nie nötig war.
Damián versucht, den Verlust zu bewältigen, indem er verschiedene Rollen ausprobiert, die bis dahin sein Vater innehatte. Abwechselnd tritt er auf als Versorger, Musikexperte, der Hüter. Nichts davon passt zu ihm, nicht nur, weil er zu jung ist, sondern eben weil er nicht sein Vater ist. Erst als Damián erkennt, dass er sein eigenes Leben führen muss, auf dem Platz, den er sich selbst erobert, kommt er mit dem Schock zurecht.
Ebenso vermeintlich anspruchslos wie die Handlung ist die Sprache. Blasco arbeitet mit äußerster Sparsamkeit, einige entscheidende Szenen bestehen nur aus Dialogen, sein Hintergrund als Drehbuchautor kommt ihm dabei zustatten. Was Damián erlebt, ist nicht selten absurd, aber niemals so grotesk, dass es zu realitätsfern würde. Die Gespräche, die er z.B. mit seiner Mutter führt, sind geradezu beispielhaft für die labyrinthischen Verschlingungen, die sich aus den klassischen Missverständnissen zwischen Eltern und halberwachsenen Kindern unweigerlich ergeben, und die beide Parteien in der Überzeugung zurücklassen, dass die jeweils andere ein Opfer geistiger Verwirrung ist. Dass all das bei all der Traurigkeit, die die Geschichte schmerzlich übermittelt, auch noch äußerst komisch ist, ist ein weiteres Verdienst des jungen Autors.
Die Sprache ist dabei überaus sorgfältig, streckenweise literarisierend und das so unaufdringlich, dass man nicht einmal ins Stolpern gerät. So wünscht man sich mehr Hinführungen jugendlicher Leserinnen und Leser an komplexere Texten.
Am Ende hat Damián nicht nur seine eigene Musik gefunden, sondern auch endlich einen Namen für seinen Vater. Und so lautet der vorletzte Satz der Erzählung fast genauso, wie ihr allererster. Steckt tatsächlich ein Sinn hinter allem? Eine Antwort gibt es nicht. Man kann nur staunen.

