Lügengebilde eines alternden Egozentrikers
Ian McEwan hat eine Satire geschrieben, die in England zu Recht gefeiert wird. Es geht um die vollständig übersteigerte Egozentrik eines alternden Mannes, der vorgibt die Welt retten zu wollen, dem Eigeninteressen dann aber doch wichtiger sind. Um sich besser zu fühlen, belügt er seine Umwelt und sich selbst. Obwohl der Roman sich immer mit seiner Hauptperson bewegt, sind die positivsten Gefühle, die man für sie aufbringen kann, Unverständnis und – manchmal – Mitleid. Ian McEwan setzt drei Schlaglichter auf das Leben des Michael Beard, in den Jahren 2000, 2005 und 2009. Auch wenn sich dabei eine Geschichte entwickelt, an einer Entwicklung des Protagonisten liegt es nicht.
Kaum zu glauben, dass Autor McEwan seinem Antihelden Michael Beard auch autobiographische Erfahrungen einverleibt hat: McEwan wurde in Teilen der britischen Presse Islam-Hass vorgeworfen, nachdem er sich über die Sicht des Islamismus auf Frauen und Homosexualität geäußert hat. Professor Beard bringt es gar zum Nazi-Professor. Warum? Selber lesen.

