Blasse Figuren
Ein charakterloser Ich-Erzähler berichtet, wie der Verkaufsleiter vom Personalleiter gekündigt und ihm selber der Posten als Verkaufsleiter zugeschanzt wird. Dafür wird er vom Personalleiter, der in Persona symbolisch für das böse Unternehmen steht, auf eine Fortbildung für Führungskräfte geschickt, wo er sein gesamtes Wertesystem vergessen soll. Er bekäme ein neues, wenn er es nur widerstandslos übernähme. Die Ironie auf vermeintlich nicht vorhandene Moralvorstellungen im mittleren Management ist allzu offensichtlich. Bajani versucht, mit dem Ich-Erzähler eine Figur zu zeichnen, die mitten im Unternehmen steht, aber dennoch vom Rand beobachtet. Herausgekommen ist ein Feigling. Darum bleibt die Figur blass, ebenso blass und gesichtslos sind die Figuren des Ex-Verkaufsleiters oder des Personalleiters. Ob der platten Ironie haben diese Figuren keine Chance charakterliche Vielfalt zu entwickeln.
Derweil folgt der Ex-Verkaufsleiter einem Diktums Bajanis – „wer mit fünfzig rausgeschmissen wird, stinkt nach Leiche und wird von allen verachtet“ – und stirbt kurze Zeit nach seiner Entlassung. Die simple ironische Konstruktion – wer seine Arbeit verliert, stirbt und wer charakterlos mitmacht, steigt auf – reizt nicht zur Lektüre. Schließlich übernimmt der Ich-Erzähler die Erziehung der Kinder des Ex-Verkaufsleiters. Dabei geht er auf jeden ihrer kindlichen Vorschläge ein, seien sie auch noch so absurd. Dieses Verhalten doppelt symbolisch das Auftreten des Ich-Erzählers in der Firma. Und hieran krankt es dem Roman: Die Ironie soll über überspitzte Analogien hergestellt werden, wobei die Spitze ist, den Arbeitsplatz als Freiheitsberaubung zu bezeichnen. Die Analogien spielgeln stumpfe Ironie, schlichte Symbolik.