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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 06:44

Sven Kemmler: Und was wirst du, wenn ich groß bin?

18.10.2010

Das lange Stolpern ins Glück

Sven Kemmler hat einen grundsympathischen Erstling vorgelegt. Von CHRISTOPH POLLMANN

 

Der Titel markiert schon klar das Genre: Es wird eine komödiantische Coming-of-age-Geschichte. Und diese Erwartung bedient Sven Kemmler auch durchgehend. Zweiunddreißig Lebensstationen pilgern wir gemeinsam mit dem Autor ab auf diesem humorigen Passionsweg, in der Gnadenlosigkeit der Chronologie, die hier wie ein Garant für die Ernsthaftigkeit des Unterfangens steht, das oft den Anschein des Klamaukigen haben mag – doch am Ende angekommen, wird man überrascht: der durchstolperte Weg entpuppt sich als Liebesbeweis der besonderen Art. Der Weg vom blutjungen Weltentdecker hin zum etwas überreifen Künstler ist eine Art Testament, ein Schreiben der radikalen Bewusstwerdung und der Abrechnung - mit sich selbst.

 

Das Fazit nimmt sich so schlecht nicht aus, auch wenn Kemmler bemüht ist, die Sympathie des Lesers durch eine monströse Verliereraura seines Protagonisten aufrechtzuerhalten. Ihm gelingt grundsätzlich nichts, doch zeichnet sich durch all die Lebenspleiten allmählich ein Bild ab, ein Muster, und so sind all diese Misserfolge schließlich nur die Bauelemente eines Kokons, aus dem am Ende ...

 

... der Schmetterling entsteigt!

Dass der dann nicht noch bunter und lustiger gezeichnet werden kann als sein Vorgängerwesen, liegt in der Natur der 30 vorangegangenen Kapitel, in ihrer auf Pointe gearbeiteten Schnelligkeit. Daraus resultiert ein großer Lesespaß mit dem Hinkefuß allerdings einer oftmals etwas groben Verskizzung der Personen und ihrer Probleme. Was nun in den letzten Kapiteln geschehen muss, ist auch eine Verwandlung des Tonfalls – und den zieht Sven Kemmler dann doch erstaunlich radikal durch: mit Nachdenklichkeit. Einer Nachdenklichkeit allerdings, die etwas angeschwurbelt und sentimentalisiert daherkommt und dem ganzen Roman dann doch mit einer Moralkäseüberbackung versieht, die nicht recht schmecken will – und auf einer so buntverzierten Torte auch kaum etwas zu suchen hat.

 

Was bleibt, ist großer erzählerischer Schwung, Lustigkeit in ihrer angenehmsten Form und das Versprechen eines noch besseren zweiten Romans.


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