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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 06:48

Kate DiCamillo / Alison McGhee: Bink & Gollie

25.10.2010

"Weißt du nicht, dass du die fabelhafteste Freundin von allen bist?"

Echte Freundschaft ist etwas Besonderes. Wahre Freunde sind immer füreinander da, überstehen gemeinsam Krisen und schwierige Situationen, bauen sich gegenseitig auf, streiten sich auch mal – nur um sich wieder zu versöhnen. Echte Freunde sind zwei wie Bink und Gollie. Von ANDREA WANNER

 

Bink ist klein mit blonden Strubbellocken, quirlig und steckt voller Ideen. Gollie ist groß und dürr, etwas gesetzter (na ja, andererseits ist sie permanent zu Abenteuern in aller Welt von den Anden bis Tasmanien unterwegs …) und macht die besten Pfannkuchen der Welt. Ein ideales Duo also.

 

Sie verabreden sich ständig – meistens mit Hilfe des Telefons – und sind sich auch meistens schnell einig, was sie zusammen unternehmen wollen. Rollschuhlaufen beispielsweise ist konsensfähig. Aber dann landen die beiden mit ihren Rollschuhen im Kaufhaus und entdecken ein Sonderangebot: „Megabunte Kniestrümpfe“ werden da angepriesen und Bink greift sofort zu. Ein  regenbogenfarbenes Paar hat es ihr sofort angetan. „Diese Strümpfe sind eine Beleidigung fürs Auge. Kauf die ja nicht!“, warnt Gollie. Aber sie hat keine Chance gegen ihre begeisterte Freundin. Es kommt wie es kommen muss: die beiden streiten sich ernsthaft. So arg, dass Gollie nur unter einer Bedingung bereit ist, Pfannkuchen zu backen: Bink muss die Strümpfe ausziehen.  Nur gut, dass wirkliche Freundinnen auch wissen, was ein Kompromiss ist.

 

Aus dem Leben gegriffen

Die amerikanische Bestsellerautorin Kate DiCamillo hat sich gemeinsam mit ihrer besten Freundin Alison McGhee drei wundervolle Geschichten ausgedacht. Einerseits sind Bink und Gollie - wie schon der Titel verrät – unzertrennlich,  andererseits lauert immer auch ein bisschen Zickenkrieg. Da blitzt gelegentlich eine Spur Arroganz von Gollie durch und Bink hat etwas von einem nervigen Kleinkind an sich. Dann begegnen sie sich wieder auf Augenhöhe, beide erleichtert, dass es die andere gibt. Und jede von ihnen reagiert ziemlich ungehalten, wenn im Leben der Freundin etwas stattfindet, an dem sie nicht teilhat, vor allem als sich Fred in die Freundschaft der beiden einschleicht. Oder sollte da jemand etwas missverstanden haben?

 

Unwiderstehlich

Dass der Schlagabtausch in Dialogform des sympathischen Duos zu einem wirklichen Erlebnis wird, verdankt das Buch in erster Linie seinem Illustrator Tony Fucile. Sein eigentliches Genre ist der  Animationsfilm, für den er viele Charaktere entworfen hat. Seine Handschrift prägte Filme wie „Findet Nemo“ und die Gelegenheit einen Fisch aufs Papier zu zaubern, bietet sich ihm auch dieses Mal. Was er wirklich schafft, ist Bewegung und Dynamik ohne gleichen.

 

Da flitzen die beiden Mädels auf Rollschuhen über die Seiten, da hört man Gollie ächzen bei den letzten Metern, ehe sie den Gipfel eines schneebedeckten Berges erklommen hat und riecht die frisch gebackenen Pfannkuchen. Fuciles wahre Meisterschaft aber entfaltet sich in den Gesichtern der beiden Mädchen. Mit wenigen Strichen wird der Blick Gollies herablassend-mitleidig, gehört unser ganzes Mitgefühl der enttäuschten Bink, entlarvt ein falsches Lächeln die wahren Gedanken. Und natürlich findet auch er das ultimative Schlussbild für die ménage à trois, hinreißend subtil und voller Witz, wie das ganze Buch.


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