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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 06:48

Carlos Busqued: Unter dieser furchterregenden Sonne

25.10.2010

Die Rückkehr des Schwanzlurches

Das eigentlich Furchterregende in diesem Roman ist nicht die unerbittlich brennende Sonne Südamerikas, sondern die Szenerie, die sich unter ihr abspielt. Sensationelles Debüt des 40-jährigen Argentiniers. Von TOM ASAM

 

Cetari verbringt seine Tage kiffend vor der Glotze. Als ein Anrufer ihn vom gewaltsamen Tod seiner Mutter und seines Bruders unterrichtet, macht er sich eher schleppend auf den Weg. Lieber würde er eigentlich sitzen bleiben und Tier- oder Militärdokus anschauen. Er trifft sich mit Duarte, dem Testamentvollstrecker und ehemaligen Kollegen jenes Mannes, der die letzten Jahre der Lebensgefährte seiner Mutter war. Jenes Mannes, der den Doppelmord beging und sich anschließend selbst erschoss.

 

Diesem skurrilen Auftakt folgt ein Horrortrip, der drogenmäßig-halluzinogen wie knallhart realistisch gleichzeitig zu sein scheint. Fastfood und Kabelfernsehen stehen in diesem zivilisatorischen Endzeit-Szenario gleichberechtigt neben“ Freizeitbeschäftigungen“ wie Entführung, Erpressung und zynischer Gewalt.

 

In Axolotls Terrarium

Eine wichtige Metapher stellt dabei ein als Haustier gehaltener Axolotl, ein im vulkanischen Becken bei Mexico-City endemischer Schwanzlurch, dar. Dieser Lurch bleibt im Gegensatz zu anderen im Larvenstadium verharren. Er erreicht die Geschlechtsreife ohne wirklich erwachsen zu werden. Dieser als „pädomorph“ bezeichnete Zustand bringt evolutionär keine Nachteile mit sich, da die heimischen Gewässer nie austrocknen.

 

Das macht die Beschreibung der unreifen, skrupellosen und gefühlskalten Menschen in diesem Roman noch beklemmender. Denn auch die scheinen mit ihren Mängeln in ihrer Umgebung keinerlei Probleme zu haben. Lapahito, der zentrale Ort der Handlung, modert vor sich hin und steht in einem stets schlimmer werdenden Sumpf, der – wie die Lebenswelt des Axolotl – nicht auszutrocknen scheint trotz der gnadenlosen Sonne, die über dieser Hölle brennt.

 

Unter dieser furchterregenden Sonne ist, wie so viele argentinische Romane, hinsichtlich der jüngeren Geschichte des Landes deutbar. Aber auch für Leser ohne Bezug zur Geschichte der Diktatur und ihrer andauernden Tiefenwirkung ist dieser Roman ein absoluter Volltreffer. Als Filmvorlage für die Gebrüder Coen durchaus vorstellbar.


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