Trauer zum Totlachen
Ein schwieriges, immer noch tabuisiertes Thema geht der bei uns bisher relativ unbekannte britische Autor mit bewundernswerter Leichtigkeit an. Jüngst veröffentlichte Zahlen untermauern dessen Aktualität, denn im vergangenen Jahr stiegen die Suizide unter Jugendlichen an. Und dennoch klagt Gray nicht an, sondern er durchleuchtet, von verschiedenen Seiten und insbesondere aus der Perspektive der Jugendlichen, denn Kenny ist der Erzähler der Geschichte. Genau darin liegt der Reiz des Buches, denn bei aller Ernsthaftigkeit entfaltet sich die ganze pubertäre Unbeholfenheit und Überforderung der Freunde angesichts der ungeheuerlichen Situation und entlädt sich in teils absurder Komik. Sie können nicht anders und man sieht es ihnen nach.
Die Spannung der Geschichte liegt allerdings noch auf einer ganz anderen Ebene, denn Gray führt seine Leser gemeinsam mit seinen jungen Wilden an der Nase herum. Dass Ross‘ Tod ein freiwilliger war, erahnt auch der Leser erst ganz allmählich. Der Diebstahl der Urne, der zunächst als Dummer-Jungen-Streich daherkommt, entwickelt ganz allmählich eine so ungeheuerliche Dimension, dass den Jungen zunehmend mulmig wird. Zu Recht, wie sich herausstellt, da tröstet auch die vielbeschworene Freundschaft, jetzt über den Tod hinaus, nicht mehr. Denn letztlich müssen sich auch die Freunde der grausamen Tatsache stellen, dass sie wie alle anderen Menschen aus Ross‘ Umfeld nicht genau hingeschaut haben, eigenes Verhalten fragwürdig war, Verletzungen verdrängt wurden.
Grays Perspektive auf die Ursache eines Selbstmordes ist ungewöhnlich, denn obwohl Ross in Form seiner Asche omnipräsent ist, verblasst sein reales Leben durch die Interpretationen und Spekulationen seiner Freunde. Die bittere Wahrheit er- und bekennen sie erst am Schluss, und da ist es für Ross schon längst zu spät. Doch Gray bietet gerade dadurch seinen jugendlichen Lesern Auswege an, denn er motiviert zum genauen Hinschauen, zum Überdenken eigener Verhaltensmuster, und zwar, bevor jemand diesen letzten bitteren Schritt tut.

