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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 06:58

Marianne Dubuc: Meine große kleine Welt

22.11.2010

Was die Welt im Innersten zusammenhält

Ein kleines quadratisches Pappbilderbuch mit dem eher banalen Titel Meine große kleine Welt überrascht durch einen ungewöhnlichen Blick auf die Welt. Autorin Marianne Dubuc lädt zu einer spannenden Reise ein von zu Hause zu den Außerirdischen und wieder zurück. ANDREA WANNER ist mitgereist.

 

Wer einen ersten schnellen Blick in das Buch wirft, entdeckt niedliche Bildchen, die er so oder ähnlich auch in anderen Bilderbüchern für die ganz Kleinen findet: eine Hasenfamilie, ein kleines Haus, eine Prinzessin, einen Bär, einen Löwe, eine Wolke, die Sonne. Vielleicht überraschen ungewöhnlichere Motive wie ein Werwolf, eine Sternschnuppe oder ein Thunfischsandwich, die sonst eher selten Bilderbücher bevölkern.

 

Sortierkriterien

Da stellt sich natürlich schnell die Frage, wie es zu diesem kunterbunten Sammelsurium kommt. Alphabetisch? Thematisch? Zufällig? Was verbindet die Sterne mit dem Werwolf, die alte Socke mit dem Märchenbuch, den Walfisch mit dem Akkordeon? Die Antwort ist verblüffend einfach: es sind Präpositionen. Die Verhältniswörter  - in diesem Fall die örtlichen Präpositionen - drücken Beziehungen zwischen Personen, Gegenständen und Sachverhalten. Alles ist entweder vor, auf, über, hinter, in, unter, neben, oder an etwas. Und so bezieht sich jede Bild auf das vorhergehende.

 

Manche Bilderbücher funktionieren ohne Worte, die Geschichte ergibt sich aus den Bildern. Hier schaffen erst Wörter den Sinn der Geschichte. Natürlich kann man Dubucs Bilderbuch auch wie ein Bildwörterbuch anschauen – den eigentlichen Witz liefern aber erst die Worte, die den liebevollen, losen Schnickschnack zu einer Geschichte verknüpfen. In aller Ruhe kann man das Bild auf der rechten Buchseite betrachten, links steht, was es ist: „Mein Haus.“ Und unter dem Bild geht der Text weiter: „Vor meinem Haus…“. Umblättern: „Ein Rosenbäumchen.“ Rechts dazu das Bild. Unter dem Bild: „Auf dem Rosenbäumchen…“ Umblättern. „Ein kleiner Vogel“. Umblättern. „Über dem Kleinen Vogel…“ Kein einziges Verb belastet diese Geschichte.

 

Freiräume für die Fantasie

Reales und der Fantasie Entsprungenes bilden gemeinsam eine Welt, die Grenzen sind fließend, es geht hin und her. Der verzauberte Prinz als Frosch mit Krönchen auf dem Kopf oder der schreckliche Schneemensch bevölkern diese Welt ebenso selbstverständlich wie ein Zebra oder ein alter Stiefel. Noch gehört alles zusammen. Ein Kind eignet sich die Welt allmählich an, sammelt Erfahrungen, erkennt Kausalzusammenhänge zwischen den Dingen, die einer eigenen Logik folgen. So ähnlich spielt Marianne Dubuc dieses Spiel von hier bis zu den Sternen, wagt ungewöhnliche Beziehungen, verweilt kurz, ist schon wieder fort: ein endloses, wunderbares Vergnügen, das da ankommt, wo es begonnen hat und von neuem gespielt werden kann.


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