Anke Kuhl: Oma ist echt toll!
29.11.2010
Liebeserklärung an die beste Oma der Welt
Weihnachten naht und es wird langsam Zeit, die passenden Geschenkideen für die liebe Familie zu sammeln. BEATE MAINKA hat schon den ganz heißen Tipp für alle Großmütter und deren Enkel, denn Anke Kuhl weiß in ihrem Bilderbuch: Oma ist echt toll!
Wer kennt sie nicht, die sepiabraunen, winzig kleinen Fotografien mit den gezackten Rändern, die, liebevoll in uralte Alben zwischen Seidenpapierseiten eingeklebt, ganze Familiengeschichten erzählen. Anke Kuhl hat dies als Grundidee in ein Bilderbuch umgesetzt, das uns mitnimmt auf eine Reise in eine Zeit, als Oma noch ein Kind war, so etwa in den 60ern des 20. Jahrhunderts. Schon der Umschlag ist aufgemacht wie ein Album und das erste – höchst realistisch gezeichnete – Foto zeigt ein kleines Mädchen mit Puppenwagen, riesiger Haarschleife, bravem Hängerkleidchen und Kniestrümpfen, ja wirklich. Das ist Oma als Kind und beim Weiterblättern bekommen wir ihre Kindheit in allen Lebenslagen gezeigt, den Klassiker auf dem Eisbärfell mit blankem Popo, das Sandkuchenbacken, zu Karneval als Rotkäppchen verkleidet oder grummelnd beim Familienfoto.
Lauter Deja vus
Der Clou des Ganzen sind jedoch die Kommentare der Enkelin, die sie liebevoll in ein, zwei Sätzen unter die Fotos geschrieben hat, schön altmodisch mit Tinte und mit durchgestrichenen falschen Wörtern, sehr realistisch halt. Jede liebenswerte Eigenschaft der alten Dame setzt sie in Beziehung zu einem Foto, das Puppenwagenbild steht für die klasse Babysitterin, die Sandkuchen haben die frühe Grundlage für feinste Kuchen geschaffen und selbst das Familienbild mit dem schmollenden Mädchen wird so kommentiert, dass Oma immer gute Laune hat, meistens jedenfalls. Und dass sie immer so uncoole, oberpeinliche Pullover strickt, damit kann die Enkeltochter leben. Sie erkennt die gute Absicht.
Fotorealismus, fast jedenfalls
Anke Kuhls Bilder bestechen durch ihre historische Genauigkeit. Jedes Detail stimmt, seien es die Turnhosen, die unter den Achseln kneifen, die formschönen, natürlich selbstgestrickten Pudelmützen oder die ledernen Schulranzen. Ältere Betrachter werden sich mit Vergnügen oder auch schaudernd zurückerinnern an eine Zeit, in der die Puppe unter dem spärlich geschmückten Weihnachtsbaum noch wahre Begeisterungstürme hervorrief und eine auf den Hof gestellte Zinkbadewanne höchstes Badevergnügen an heißen Sommertagen versprach. Das ist Nostalgie pur, aber mit Augenzwinkern, denn ihre Figuren kommen als liebevolle Karikatur daher mit ihren großen Glubschaugen.
Und so ist dieses Bilderbuch ist ein wahrer Glücksgriff für alle Enkel-Großmutter-Beziehungen, denn es erfüllt gleich mehrere Funktionen. Zunächst einmal ist es hervorragend als Geschenk an die Oma geeignet, Tränen der Rührung ebenso wie herzhaftes Lachen garantiert. Dann bietet es eine wunderbare Gesprächsgrundlage über Kindheit gestern und heute, denn ähnliche Bilder hat jeder ältere Mensch irgendwo im Regal. Was ist spannender als die eigene Familiengeschichte? Und so kann man sich lebhaft vorstellen, wie das Bilderbuch zur Seite gelegt wird und Oma ihr eigenes, hoffentlich noch vorhandenes Fotoalbum aus dem Schrank holt und die Bilder mit ihrem Leben füllt, mit Namen, Orten, Ereignissen. Damit die Enkel sich erinnern, woher sie kommen.


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