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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 07:01

Judy Blundell: Die Lügen, die wir erzählten

29.11.2010

Was ist die Wahrheit?

Evie ist eine 15-jährige Bohnenstange, die sich in den USA im Nachkriegsjahr 1947 einer leuchtenden Zukunft entgegen träumt. Aber Erwachsenwerden bedeutet mehr als nur Dinge zu dürfen, die bisher verboten sind. Die amerikanische Autorin Judy Blundell verfolgt Die Lügen, die wir erzählten und verpackt sie zu einem emotional aufgeladenen Thriller. Von ANDREA WANNER

 

Kann ein Kind, das seine Kindheit während des 2. Weltkrieges verbracht hat, überhaupt ein behütetes, naives Kind sein? Evelyns Mutter hat einiges dafür getan, dass Evie die Kriegsjahre gut überstanden hat. Gemeinsam haben sie das Leben bei Joes Mutter, der ewig nörgelnden Grandma  Gladys, gut überstanden, nun ist Joe, Evies Stiefvater und der Mann ihrer Mutter aus dem Krieg zurück, geschäftlich erfolgreich und alles deutet auf eine bessere Zukunft hin. Evie probt das Rauchen mit Schokoladezigaretten und träumt von Lippenstift, vorzugsweise "Fatale Apple – die verführerischste Farbe, seit Eva Adam zuzwinkerte", die auch ihre Mutter verwendet.

 

Eine Reise ins Paradies

Es wirkt wie eine Idylle und Joes Vorschlag, endlich mal gemeinsam Urlaub zu machen fällt auf fruchtbaren Boden. Zu dritt fahren sie den weiten Weg nach Florida, nur um festzustellen, dass sie zur falschen Zeit Palm Beach angekommen sind, die Hotel bis auf eines alle geschlossen haben und  nur wenige Leute außer ihnen sich dort aufhalten. Die Stimmung ist bereits leicht gereizt, die Hitze macht allen zu schaffen – und dann taucht Peter auf. Evie trifft ihn nachts am Hotelpool. Sie ist von einer Tanzveranstaltung gefrustet dorthin geflüchtet und der 23-Jährige fordert sie zu einem Tanz im Mondschein auf. Evie ist ihm von Anfang an verfallen.

 

Sie weiß, dass es nicht geht. Eine Fünfzehnjährige kann mit gleichaltrigen oder etwas älteren Jungs flirten, sie kann sich nicht mit einem 23 Jahre alten Mann einlassen. Trotzdem ist es genau das, was sie will. Aber wer ist Peter? Evies Mutter scheint die Tochter vor diesem Mann beschützen zu wollen und Einladungen von Peter an Evie werden zu Ausflügen zu dritt. Was verbirgt sich dahinter? Evies Mutter weiß, wie gefährlich das Leben eines jungen Mädchens sein kann: sie war 17 als ihre Tochter zur Welt kam.  Aber ist es wirklich nur der Wunsch, das Kind zu beschützen, wenn sie dafür sorgt, dass Evies Kleiderschrank nichts enthält, was die Reize eines jungen Mädchens zur Geltung bringen könnte? Und welche Rolle spielt Evies Stiefvater Joe?

 

Eine Fahrt in die Hölle

Langsam, Schicht um Schicht, legt Judy Blundell das Beziehungsgeflecht dieser vier Menschen frei. Es ist komplex und vielschichtig. Selbstsüchtige Wünsche, dunkle Geheimnisse und Lügen durchziehen es. Alles, was die Basis liefern und Sicherheit bieten sollte, wird von Seite zu Seite ungewisser, unsicherer. Aber jede der Personen scheint so mit sich selbst beschäftigt, dass ihr das Naheliegende und Offensichtliche entgeht. Die vorgegebenen Motive sind nicht die tatsächlichen, hinter der Fassade verbirgt sich Ungeahntes. Liebe, Freundschaft und Vertrauen sind Werte, auf die Evie meint, bauen zu können. Ist das Erwachsenwerden, wenn man merkt, dass das Leben so nicht funktioniert?

 

Über Palm Beach zieht sich ein Sturm zusammen, der für große Verwüstung sorgen wird. Doch der Hurrikan ist nichts gegen das, was im Leben dieser vier Menschen geschehen wird. Das Lügengebilde stürzt ein, aber die Wahrheit ist nicht in  Sicht. Evie wird mit der Ungewissheit leben müssen. Und sie wird erwachsen werden, ist es am Ende der Geschichte geworden.


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