Die Reise in Gedanken
Eigentlich eine harmlose Story, ein Mann, der sich nach Südfrankreich »wegbeamt« – alles minutiös geplant, unzählige Male durchgespielt, die Reise, in Gedanken. Alles nur angedeutet. »Das Meer ist nicht weit. Der Gedanke genügt mir.« Es sind die gewöhnlichen, harmlosen, gar banalen Situationen, normale Frauen und Männer, von denen in den Geschichten die Rede ist. Der Text eine insel erzählt von einer Urlaubsreise, sie ist gestrickt aus drei Ebenen: einmal die Handlung aus Sicht des Erzählers, dann ein dialogisches Spiel von Mann und Frau »Geht es dir gut? Sie war sich nicht sicher... Geht es dir gut? Ich war mir sicher.« und drittens ein refrainartiger lyrischer Rückbezug auf Vergangenes. Selbstreflexion?
»Ich möchte einen kleinen Teil beschreiben.
Und eine Frau, die ich liebte.
Auch eine Insel.«
Kuhligk lässt den Leser allein. Im Dunkel. Komponiert kleine Motive. Gedanken aneinandergereiht, nur andeutend. Am Schluss vermeidet er jede Deutung, kurz nur klingt es nach Hoffnung.
»Wir fuhren mit dem Auto durch die Dämmerung. Nach Stunden hielt ich auf dem Seitenstreifen und schloss die Augen.
Ich wollte es einfach.
Etwas einfaches Schönes.
Die Erinnerung ist ein Kleiderschrank.
Da gehen die Hemden rein und raus.
Ich möchte nur einen Teil.
Und auch das Wasser.
Nachts auf der Allee. Vera am Steuer. Richtung Süden. ... Seit Tagen meine Überlegungen, wie man jemanden festhalten kann.
Am Strand trug sie kein Kopftuch. Der Wind ließ es flattern.
– Ich liebe dich.«
Was bleibt, sind Augenblicke, Begegnungen, Sehnsüchte, ein kurzes Intermezzo, so wie in der Skizze das ist gut: »Ich bin genauso alt wie du, sagt eine Stimme neben ihm. Er dreht den Kopf. Ich bin nicht einfach, sagt sie. Ich auch nicht, antwortet er. Das ist gut, flüstert sie.« Der Bogen schließt sich. Viele der Prosaminiaturen sind Reiseerinnerungen, Skizzen, Impressionen aus der Türkei. Landestypisches. Alltägliches. Lyrisches. Auch für die Reise.
