»So sinnlos wie ein Kropf?«
Nun hat Nesser mit Die Wahrheit über Kim Novak und den Mord an Bertil Albertsson – wie versprochen übrigens – nach mehr als zehn Jahren des Schweigens für Aufklärung gesorgt. Was viele seiner eingefleischten deutschen Fans allerdings von dem Büchlein halten, kann man bereits in einschlägigen Internetforen nachlesen. Von einem Buch »so sinnlos wie ein Kropf« ist da die Rede. Manche haben die »gefühlte« Seitenzahl ermittelt und sind bei etwas über 50 herausgekommen – und das für rund 9 Euro! »Verarscht« und »abgezockt« fühlt man sich da, weil nach kaum einer Stunde Lesezeit – für die großzügig gesetzten 75 Seiten braucht es eher weniger! – immer noch nicht hundertprozentig klar ist, wer denn nun wirklich damals zugeschlagen hat.
Und der Rezensent der Berliner Hammett-Buchhandlung spart bei seiner Bewertung 8 von 10 Patronen (Jeder Abi-Aufsatz wäre mit erreichten 20 Prozent des so genannten »Erwartungshorizonts« Makulatur!) und gesteht dem schmalbrüstigen Ereignis unterm Strich kein eigenes Existenzrecht zu. Damit hat er natürlich Recht. Die Zahl der Leser, die sich diesen neuen Nesser ohne Kenntnis des vorangegangenen Romans kaufen, dürfte sich aber ohnehin nahe Null bewegen. Obwohl: Ein bisschen tricksen tun sie bei des Schweden deutschem Verlag schon, damit sich das Buch auch verkauft.
Sei’s drum! Mich hat das Konglomerat aus (fiktiven?) Briefen, Interviews, Pressestimmen, einleitenden und abschließenden Bemerkungen dazu gebracht, mich noch einmal in Kim Novak badete nie im See von Genezareth zu versenken. Und das ist nach wie vor so großartig, dass man schon bei seinem Erscheinen vor sieben Jahren jene 9 Euro mehr hätte bezahlen müssen, die einem nun nachträglich aus der Tasche gezogen werden. Als Aufpreis für ein Stück Literatur, bei dem die Frage, wer den nun der Täter war, wirklich zuallerletzt interessieren sollte.
