Camilleris Fabulierkunst ist es zu verdanken, dass dies ein äußerst amüsantes Buch wird. Denn er hat für diese Geschichte die Form einer Aktensammlung gewählt, die die Geschehnisse und Entwicklungen nur indirekt erzählt. Briefe, Dienstanweisungen, Zeitungsartikel, Protokolle und Telegramme erzählen, wie sich die Geschichte entwickelt und an Dynamik gewinnt, was die Personen antreibt, wie sehr sie sich teils aus Dummheit, teils aus blindem Gehorsam, teils aus Duckmäusertum und Gewinnsucht zum Narren machen – und verzweifelt versuchen, dies unter dem Teppich zu halten und die Schuld und Verantwortung von sich zu schieben. Und doch, wird gerade das faschistische Italien ausgerechnet von einem Neger zum Narren gehalten. Eine Posse dokumentiert aus der Sicht der Bürokratie. »Ein Faschist soll und darf niemandem an Manneskraft unterlegen sein! Und schon gar nicht einem Neger! Ich befehle Euch, jeden Tag in den Puff zu gehen, Argento!«
Ein köstliches Buch, das locker und leicht zu lesen ist, das von der ersten bis zur letzten Seite Freude macht, köstliche Momente beschert, aber auch nachdenklich stimmt: wie leicht Menschen aus Angst, Karrierestreben oder vorauseilendem Gehorsam den gesunden Menschenverstand abgeben und jede Dummheit mitmachen, wie leicht Menschen aus Gewinnsucht Gaunern auf den Leim gehen. Sei es in der Politik, bei der Geldanlage, in Aufsichtsräten (zum Beispiel von Landesbanken) und so weiter: auf jeder Ebene, in jedem Bereich, in jedem Land. Dumme gibt es überall, auf allen Ebenen, zu allen Zeiten – und das nicht zu knapp.
Oder wie es Camilleri selber ausgedrückt: »Wenn auch die wichtigsten Geschehnisse (...) frei erfunden sind, wahr bleibt dennoch das Klima echter, allgemeiner Dummheit, die halb Farce, halb Tragödie jene Zeit geprägt hat.« – Und das es heute noch gibt, nicht nur im Bunga-Bunga-Land, sondern auch nördlich der Alpen.
