Alles oder Nichts
Da ist Craig, der von seinem Sohn erfährt, dass sich die Nachbarn scheiden lassen werden. Er lässt seinen Spross darüber im Unklaren, dass er selbst als Liebhaber der Nachbarin der Auslöser dieses Schrittes ist. Die Affäre führt bei ihm zu einem schweren Magenleiden. Beziehungsprobleme und Krankheiten marschieren hier bei John Updike erstaunlich oft im Gleichschritt, ohne dass er direkte causale Zusammenhänge konstruiert.
Ein gewisser Merril will in fortgeschrittenem Alter seine Frau verlassen und seine kranke Geliebte pflegen. Da bittet ihn seine Frau, die Knoten in ihrer Brust zu betasten – und Merril bleibt doch. War es das schlechte Gewissen, das ihn zur gedanklichen Umkehr bewegte?
Morris will die durch einen Stromausfall ausgelöste Dunkelheit zu einem Seitensprung nutzen, doch plötzlich stören grelles Licht, laute Fernsehstimmen und das Gepolter der Spülmaschine das Liebesspiel. Der Strom ist wieder da – »rien ne vas plus«.
In den vorliegenden Erzählungen dreht sich ganz viel um Schmerz, Abschied und Alter, doch trotz des melancholischen Grundtenors gelingen John Updike hier auch noch einmal herzerfrischend tragikomische Szenen, die den Leser zwischen Tränen der Rührung und heftigen Lachsalven pendeln lassen.
Wenn man dann allerdings den letzten Satz des Bandes erreicht hat, stellt sich eine gehörige Portion Wehmut über den Verlust eines großen Erzählers ein, der sein bevorstehendes Ende literarisch vorwegnahm: »Wenn ich die Gedanken dieses sonderbaren alten Kerls richtig lese, bringt er gerade einen Toast auf die sichtbare Welt aus, sein bevorstehendes Verschwinden aus ihr sei verdammt.«
