Der Clou - für Kinder von heute
Guzmans Geschichte ist ein klassischer Gaunerroman, der in vielem an den Filmklassiker Der Clou erinnert. Ziel des Schwindels und damit Ziel von Wendells Rachefeldzug ist ein Kollege. Der Autor lässt sich Zeit mit dem Entwickeln der Handlung. Viel Raum nimmt die entstehende Beziehung zwischen dem über siebzigjährigen Wendell und seinem zwölfjährigen Enkel ein. Wendell erweist sich dabei nicht nur als geschickter Rhetoriker, eine unerlässliche Voraussetzung für seinen Beruf, sondern als ein Mann, der tatsächlich versucht, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Ohne Kitsch und Sentimentalitäten wird das heikle Thema der jahrelangen Vernachlässigung der eigenen Ehefrau und seiner Tochter, Alberts Mutter, behandelt. Seinem Enkel gibt Wendell viele kluge und moralisch wasserdichte Verhaltensregeln – man wünscht sich hin und wieder, er hätte einige dieser Weisheiten selbst angewendet. Aber in dem Fall wäre ja kein Roman für Kinder daraus geworden.
Zugleich zieht Wendell Albert in seinen großen Coup mit hinein. Der überzeugende Anstand sowie seine Ehrlichkeit auf der einen und seine professionelle Skrupellosigkeit auf der anderen Seite erzeugen ein Spannungsverhältnis zwischen den beiden Wertsystemen, das die Geschichte mit einem moralischen Grundproblem ausstattet, über das man angeregt diskutieren kann.
Wendells großer Betrug ist keine Unternehmung des einsamen Rächers, sondern eine soziale Aktion. Albert lernt die Freunde und Unterstützerinnen Wendells kennen, eine Vielzahl bunter Persönlichkeiten, die seinen Blick auf die Welt beträchtlich erweitern. Guzman zeichnet sehr sensibel, wie die Früchte des Lebens eines alten Mannes an einen sehr jungen Menschen weitergegeben werden, Freundschaft, Loyalität, Hilfsbereitschaft, Offenheit, Wärme und Liebe. Diese Werte helfen Albert. Am Ende helfen sie auch Holly, ohne dass die Handlung ins Rosarote abkippt. Und Wendell bleibt trotzdem Wendell.
Eine in mehrfacher Hinsicht spannungsreiche, gut erzählte Geschichte.
