Zwischen Rosen und Porree
Da sind der literarisch ambitionierte Mathematikstudent Euler, ein als Schlafwagenschaffner jobbender Jurist, der existentialistische Jungautor Falkner sowie der angehende Lehrer und Ich-Erzähler. Bei den Tischgesprächen geht es hoch her: Die neu erlassenen Notstandsgesetze werden diskutiert, Jünger und Nietzsche bemüht, Camus und Sartre zitiert – doch allgegenwärtig ist der schwärmerische Hang zum sonderbaren Wortakrobaten Arno Schmidt: »die Wortzerlegungen, die Typografie, und dann diese Spielerei mit der Interpunktion, dazwischen Sätze, als Satzzeichengerippe, die nur noch Kommata, Punkte, Gedankenstriche, Auslassungspünktchen sind, keine Buchstaben mehr – die reine Form des Erzählens.«
40 Jahre später im mecklenburgischen Anklam. Der Ich-Erzähler hat seine norwegische Freundin geheiratet, jahrzehntelang als Deutsch- und Geschichtslehrer gearbeitet, sich dann an der Ostsee zur Ruhe gesetzt (malerisch »zwischen Rosen und Porree«), nebenbei ein Antiquariat führend (»nichts Großes und mehr zur Tarnung vor Frau und Familie«). Da trifft er unvermutet auf Falkner, der westlich aufgemotzt (»in knapp geschnittener Windjacke aus irgendeinem atmungsaktiven Technostoff«) und wettergebräunt im Saab-Cabrio angerauscht kommt, ein heilbringender Investor, der der verlassenen Gegend eine Mülldeponie anzudienen versucht.