Dijans Rezeptur
Drogen, Liebesaffären, Verkehrsunfälle, Streit, Tod, Sex und Verzweiflung, das sind die Zutaten für Die Leichtfertigen, die Philippe Djian zu einem gut zu lesenden Roman vermengt. Der Stil ist lakonisch. Die Geschichte wird nüchtern erzählt und ist geschickt konstruiert. Mit vielen Zeitsprüngen und Rückblenden, aber doch so kunstvoll, dass sie nicht stören, geschickt die Spannung erhöht und immer ein leichtes Gefühl der Unsicherheit belassen.
Alles in allem ein Buch, das man in einem Zug verschlingen möchte. Djian erzählt die Geschichte aus der Sicht von Francis. Francis schildert sein Leben und seine Gefühle mit einer intellektuellen Distanz, blickt auf sich selber wie durch eine Scheibe, beschreibt, was mit ihm geschieht, wie er agiert, aber doch unfähig ist, den Lauf der Dinge zu beeinflussen beziehungsweise es ernsthaft zu versuchen.
25 Jahre nach Betty Blue ist Djian eine »altersweise« Fortsetzung gelungen. Die Leichtfertigen ist nicht so radikal, nicht so selbstzerstörerisch, nicht so kompromisslos, nicht so gnadenlos im Tempo. Aber doch wieder ein irrwitziger Strudel – nur eben mit dem Auge des Alters abgemildert, wenn schon nicht abgeklärter. Francis kann nicht aus seiner Haut. Er sieht, was falsch läuft. Er liebt und leidet, findet dafür aber im Leben keine Worte, keinen Ausweg. Er bleibt lieber wortlos und steuert sehenden Auges auf den Schmerz zu.
Philippe Djian schmeißt seinen Protagonisten in eine trostlose, tödliche Gemengelage, an der man verzweifeln könnte. Dass dies nicht geschieht, liegt an dem Helden, der am Ende eben doch zum Nachgeben bereit ist, der auch mit den kleinen Dingen und positiven Anzeichen zufrieden ist. Francis ist bereit, die Scherben seines Lebens aufzuheben und sie behutsam und geduldig wieder zusammenzufügen: »Es geht nichts über ein Ende, das ein wenig Hoffnung weckt. Es geht nichts über ein Ende, das das andere Ufer des Romans in unverdient sanftes Licht taucht.«