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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 07:59

Hannah Roberts McKinnon: Franny Parker

02.05.2011

Sommerfieber

Wenn die Hitze schwer über den Feldern liegt, wenn sich kein Lüftchen regt und die Welt nach süßer Limonade und Eis schmeckt, scheint die Zeit stehen zu bleiben. Sommerglück und Kinderglück sind eins. Aber man bleibt nicht immer ein Kind und auf einmal erkennt man, dass die vertraute Wärme nur eine Seite des Sommers ist. Die andere ist ein loderndes Feuer. In Hannah Roberts McKinnons Franny Parker begegnet eine Dreizehnjährige seinen Gefahren. Von MAGALI HEISSLER

 

Das ländliche Oklahoma kann ein reines Idyll sein. Weizenfelder und Gemüsegärten entlang des Flusses, eine Kleinstadt, kleine und größere Farmen ringsum. Die Probleme sind die Alltagsprobleme einer ganz normalen Familie. Die herrschsüchtige Großmutter, ein liebevoller Vater, eine tüchtige Mutter, die Malerin ist, drei Geschwister, ein Hund, ein Pony. Franny, ältere Schwester für den fünfjährigen Ben und jüngere Schwester von Sidda, fühlt sich rundum wohl. Die Geschichten der Großmutter und deren Freundinnen von Dürre und dem harten Farmerleben klingen eher wie Märchen aus längst vergangenen Zeiten. Franny kümmert sich lieber um ihre Tiere, die eigenen und all die anderen verletzten oder ausgesetzten, die sie findet oder die ihr Freundinnen und Nachbarn vorbeibringen. Als im benachbarten Cottage eine Frau mit einem Sohn in Frannys Alter einzieht, scheint dieser Sommer aber auf einmal neu. Lucas und Franny verstehen sich auf Anhieb, ohne viele Worte. Doch der Sommer wird immer heißer, Dürre setzt ein und ein Fremder taucht auf. Mit einem Mal sieht die Welt anders aus. Angst breitet sich aus, Angst, gegen die sich auch Franny nicht mehr abschirmen kann, denn die Gefahr bedroht Lucas. Franny muss unterscheiden lernen, einen anderen Blick auf die Menschen entwickeln.

 

Das Ende der Kindheit

Dieses Buch ist ein Debütroman und das merkt man ihm auch an. Die Autorin lässt sich viel Zeit, Frannys Familie und ihren Freundeskreis zu schildern. Das Verhältnis unter den Geschwistern, mit einem stets zu Streichen aufgelegten kleinen Bruder und einer älteren Schwester, die gerade einen üblen Anfall von Teenagerzickigkeit auslebt, bekommt breiten Raum, ebenso die Probleme, die eine Schulfreundin wegen des anstehenden Lesewettbewerbs mit ihrer überehrgeizigen Mutter hat. Ebenso breit geschildert wird Frannys tierpflegerischer Einsatz. Die Großmutter und ihre Freundinnen fallen gelegentlich dem Hang zu übermäßiger Skurrilität zum Opfer. Nahezu ideal erscheinen die neue Nachbarin Lindy und ihr Sohn Lucas. Welche ernsten Probleme hinter all dem stecken, geht über weite Strecken fast unter. McKinnon geht die Traumata, alte wie neue, äußerst, an einigen Stellen zu behutsam an. Dass die Geschichte trotzdem trägt, verdankt sie ihren starken Hauptfiguren, Franny und Lucas als ihre Folie.

 

Der Einbruch harter Realitäten in Frannys behütetes Leben kommt in geradezu sanften Schritten, als es gegen Ende dann wirklich brennt, ist der Schock beträchtlich. Überzeugend und beeindruckend ist die ausführliche Schlusssequenz, bei deren Gestaltung die Autorin dann tatsächlich weitgehend die Balance zwischen Emotionalität und Realität gefunden hat.

 

Seiner Zielgruppe schenkt dieser kleine Roman einen Blick auf das ländliche Amerika, wie er eher selten zu finden ist. Eher selten ist auch das Thema, Abschiednehmen von der Kindheit nämlich.

 

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