Das Ende der Kindheit
Dieses Buch ist ein Debütroman und das merkt man ihm auch an. Die Autorin lässt sich viel Zeit, Frannys Familie und ihren Freundeskreis zu schildern. Das Verhältnis unter den Geschwistern, mit einem stets zu Streichen aufgelegten kleinen Bruder und einer älteren Schwester, die gerade einen üblen Anfall von Teenagerzickigkeit auslebt, bekommt breiten Raum, ebenso die Probleme, die eine Schulfreundin wegen des anstehenden Lesewettbewerbs mit ihrer überehrgeizigen Mutter hat. Ebenso breit geschildert wird Frannys tierpflegerischer Einsatz. Die Großmutter und ihre Freundinnen fallen gelegentlich dem Hang zu übermäßiger Skurrilität zum Opfer. Nahezu ideal erscheinen die neue Nachbarin Lindy und ihr Sohn Lucas. Welche ernsten Probleme hinter all dem stecken, geht über weite Strecken fast unter. McKinnon geht die Traumata, alte wie neue, äußerst, an einigen Stellen zu behutsam an. Dass die Geschichte trotzdem trägt, verdankt sie ihren starken Hauptfiguren, Franny und Lucas als ihre Folie.
Der Einbruch harter Realitäten in Frannys behütetes Leben kommt in geradezu sanften Schritten, als es gegen Ende dann wirklich brennt, ist der Schock beträchtlich. Überzeugend und beeindruckend ist die ausführliche Schlusssequenz, bei deren Gestaltung die Autorin dann tatsächlich weitgehend die Balance zwischen Emotionalität und Realität gefunden hat.
Seiner Zielgruppe schenkt dieser kleine Roman einen Blick auf das ländliche Amerika, wie er eher selten zu finden ist. Eher selten ist auch das Thema, Abschiednehmen von der Kindheit nämlich.