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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 08:08

Christoph Niemann: So funktioniert das!

23.05.2011

Bionik für Anfänger

Bilderbücher, die Kindern die Grundfunktionen von technischem Gerät erklären, findet man in der Regel im Sachbuchbereich. Christoph Niemann findet einen anderen Ansatzpunkt und lässt der Fantasie seiner kleinen Helden freien Lauf. BEATE MAINKA beschreibt ihre Aha-Erlebnisse.

 

Schon das Titelbild lässt es vermuten: Wer hier glaubwürdige Erklärungen sucht, wie ein Feuerwehrauto funktioniert, ist auf dem Holzweg. Im Feuerwehrauto sorgt ein Elefant mit seinem Rüssel für das erlösende Nass und die Sirene gibt ein Vogel. Doch die eigentliche Geschichte geht so: Ein Junge und ein Mädchen durchstreifen mit wachen Augen die Welt und sie fragt ihn, wie der Lastwagen, der gerade vorbeifährt, denn wohl funktioniert. Er grübelt und erklärt mittels einer großen Sprechblase, dass der Lastwagen von einem Löwen angetrieben wird, der ein Fahrradpedal bedient. Erstauntes »Oho!« seitens des Mädchens.

 

Nächste Seite, gleiches Spiel, Objekt der Betrachtung ein quietschrosa Flugzeug, klare Sache, natürlich sind Vögel diejenigen, die für den nötigen Schub sorgen. »Ach was!« Es folgen unter anderem eine Dampfwalze, in der sich Bären vor Vergnügen rollen, weil ein Papagei sie kitzelt, oder ein Bagger, in dem ein Krokodil sein großes Maul zum Schaufeln verwendet und von einem rosa Hasen bedient wird. Erst ein Fahrrad stoppt den Lauf des Jungen. Hier  macht ihm dann das Mädchen – mit Helm – vor, wie das funktioniert. Wer triumphiert nun wohl?

 

Grellbunte Comicbilder

Zuerst ein Wort zu Christoph Niemann aus Waiblingen, der von 1997 bis 2008 in New York lebte und große Erfolge als Illustrator und Autor unter anderem für die New York Times verbuchen kann. Seine Homepage ist ein Fundus für witzige, scharfsinnige und stilistisch ausgefeilte Titelbilder, Karikaturen, aber eben auch Bilderbücher. »So funktioniert das!« erschien zuerst in den USA und liegt nun in deutscher Sprache vor, um auch hierzulande Kindern und Eltern verblüffende Erkenntnisse über die zoologische Seite unserer alltäglichen Fortbewegungsmittel zu vermitteln.

 

Niemanns Stil ist plakativ, viel glatte Fläche, klare Farben, wenige Details. Die braucht er auch nicht, denn das Wenige, was auf seinen Bildern dargestellt ist, bietet Stoff genug zum Nachdenken und Amüsieren. Beispiel Frachter: Im Inneren liegt ein Wal auf dem Rücken, die Flosse schaut unter Wasser hinten heraus und ist mehrfach eingedreht. Das Eindrehen übernimmt ein Krake, der dank seiner acht Arme für diesen Job denkbar gut geeignet ist. Und wenn die Flosse sich wieder aufdreht, haben wir was? Genau, einen Rückstoß, und damit fährt der Frachter. Logisch, oder?

 

Meeresgetier für die Wasserfahrzeuge, Vögel für das Flugzeug, für alles andere werden universelle Lösungen bevorzugt. Schon dreijährige Kinder werden sich köstlich amüsieren und gespannt verfolgen, was Niemann sich noch so alles einfallen lässt. Bereits die Vorsatzblätter bieten die eine oder andere Lösung. Würde man ihn beim Wort bzw. Bild nehmen, wäre die zunehmende Verknappung unserer fossilen Brennstoffe kein Problem mehr, aber es gäbe jede Menge Spaß beim Transport von Menschen und Gütern. So wie beim Betrachten dieses Bilderbuches!

 

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