Erwachsenwerden in drei Wochen
Eigentlich ist es ein Buch über das Umgehen mit Trauer, denn bis in die Nebenfiguren arbeitet Ockler fein und plausibel heraus, wie die Hinterbliebenen den Verlust verarbeiten, jeder auf seine spezielle Art und Weise. Aber es ist auch ein Buch über das Erwachsenwerden, die Wege dahin, die Frankie und Anna ganz unterschiedlich gehen werden und dabei dennoch die andere achten und lieben, bis zum dramatischen Wendepunkt, der sie fast ihre Freundschaft kostet. Das hat mit dem ungeheuren Druck zu tun, unter dem beide stehen. Und es ist eine zweifache Liebesgeschichte, über das Vergangene und das Zukünftige, das schon bald ebenfalls Vergangenheit sein wird, eine Urlaubsliebesgeschichte halt.
Ockler lässt Anna selber erzählen, chronologisch, aber immer wieder mit eingeschobenen Erinnerungsfetzen, in denen sie neben ihrer Rolle als Freundin ihre eigenen Gedanken und Gefühle preisgibt. Genau darin liegt der Kunstgriff dieser Geschichte, einerseits kann man sie als Teenagerschmonzette voller Dramatik lesen, Annas Selbstreflexionen hingegen verleihen ihr Tiefgang, geben Stoff zum Nachdenken, berühren. Gerade das Ungeordnete ihrer Gedankenwelt, ihre Zweifel, ihr Festhalten an der vergangenen Liebe, die sie zunächst daran hindert, sich auf eine neue einzulassen, all dies macht die Erzählung so glaubwürdig, ist so jenseits allen falschen Pathos und Kitsch. Hier agieren sorgfältig gezeichnete Persönlichkeiten, voller Fehler, Macken, Charakterschwächen, aber auch voller Stärke, Mut und Zuversicht. Das pralle Leben halt, mit allen Höhen und Tiefen! Die beiden Mädchen erleben in diesem Sommer einen Reifungsprozess im Schnelldurchlauf, am Ende hat sich alles verändert, doch nicht zum Schlechteren. Die Zukunft liegt vor ihnen, die Vergangenheit hat ihre Schrecken verloren.
