Stetiges Crescendo
So sprudeln die Wünsche geradezu aus Jonas hervor. Mehr Lebensenergie, mehr Einsicht in den Gang der Dinge wünscht sich Jonas. Er will das Leben und den Tod verstehen, ersehnt sich Größe und Dramatik für sein Leben, nur um schließlich alle Wünsche zu widerrufen und sich »mehr Wünsche« zu wünschen. Alle seine Wünsche, fordert Jonas von dem Mann, sollen sich erfüllen.
Die durch Jonas’ unvorsichtiges Wünschen versehentlich heraufbeschworenen Entwicklungen – darunter Todesfälle, Wachstumsschübe und unerklärliche Naturphänomene – erschüttern Jonas’ Weltbild zunehmend und werfen existentielle philosophische und religiöse Fragen auf. Glavinic entwickelt diese metaphysischen Krisen als atmosphärische, oft ins alptraumhafte abgleitende Landschaftserlebnisse, teils entwirft er ganz explizit philosophische Debatten im Figurendialog. Dabei gelingt es Glavinic, die kurzen philosophischen Abhandlungen so ungezwungen zu konstruieren, dass sie nicht in den Mund gelegt klingen:
»›Ich glaube, dass wir in einer Art Computersimulation leben. Zumindest gefällt mir der Gedanke. Nein, er gefällt mir überhaupt nicht, aber ich finde ihn bemerkenswert.‹
›Das klingt vielversprechend. Und was heißt das?‹
›Dass unsere Vorstellungen von der Wirklichkeit womöglich falsch sind. Unser Religionsbergriff ist ein Missverständnis, weil er voraussetzt, dass Gott uns ähnlich ist. Das glaube ich aber nicht. Ich glaube, dass wir Computerchips sind, die nach dem, was wir als Tod bezeichnen, in ein Regal gelegt und bei Bedarf hervorgeholt werden, damit sich wer auch immer den Film unseres Lebens ansehen kann.‹«