Die 1982 in Freiburg i.B. geborene Autorin, 2009 mit dem renommierten Rolf-Dieter-Brinkmann-Preis der Stadt Köln ausgezeichnet, hat am Leipziger Literaturinstitut studiert und nach dem Abschluss sehr konzentriert an ihrem ersten Buch gearbeitet. Dieser schön gestaltete Band enthält fünfzehn Geschichten, die Verhältnisse von Menschen und Dingen genau und dezidiert ausleuchten.
Und dabei kann es sich um sehr unterschiedliche Beziehungen handeln: Es geht z. B. um die Beziehung zur Luft, zur Hitze, zur Post, ebenso wie zu den Zitronen oder zu Zebrastreifen. Es besteht eine besondere Art Liebe zwischen den Dingen und Menschen. Das große Ganze geht dabei gerade nicht im Kleinen auf, die winzige Beobachtung aber auch nicht im Fabulieren über die Welt und das Leben. Beides bleibt dennoch unübersetzbar und unersetzlich.
Der Alltäglichkeit der Lebensentwürfe zwischen Aufwachsen, Ausziehen, Lieben, Trennen, Alleinsein, Familiengründung, Feiern und Arbeiten wirft Marie T. Martin, die Meisterin der Mikrogroteske, ein schalkhaftes Augenzwinkern entgegen, das man beim Lesen gerne erwidert: »Ich denke immer dasselbe. An die Musik und an Sarahs Brüste. Die Mulde über ihrem Hintern. Und an meinen Sachbearbeiter.« Es sind nicht die außergewöhnlichen Ereignisse, die Luftpost aufgreift, nicht die unerhörten Begebenheiten, es sind eher die atmosphärischen Nuancen, die kurzen Blicke, die unbemerkbaren Ereignisse, die das dahintreibende, beinahe belanglose Leben der Protagonisten vorantreiben.
Was passiert, passiert. Ebenso wie das Leben. Aber dass es passiert, ist sehr viel wert. Der besondere Wert von Martins Erzählungen liegt in ihrer Humanität. Und das dies so selten geworden ist, das ist nun doch ziemlich unerhört.
