Ferne Welten: das moderne Individuum und die Gesellschaft
Christian Bartel lässt seinen Protagonisten durch den Alltag wandern, wie einen Bewohner aus einer anderen Welt. Die andere Welt ist aber der Protagonist selbst, er kreist vornehmlich um sich. Für das, was außerhalb seiner kleinen Laufbahn stattfindet, hat er wenig Interesse. Bei seinen beiden Freunden ist das kaum anders, die Situationen, in die sie dadurch geraten, sind absurd und katastrophengefährdet und eben so beschreibt sie Bartel auch. Das Buch ist aber alles andere als die Aneinanderreihung witziger bis abstrus überspitzter Momentaufnahmen. Im Gegenteil wird ein grundlegend wichtiges Thema, nämlich die Verantwortung des modernen Individuums in der Gesellschaft illustriert und diskutiert. Der »Zivildienst« des Titels ist Programm in mehrerer Hinsicht.
Bartel bedient sich gründlich im Bereich der Komödie, von Clownerien über Slapstick, Parodien, Travestien bis zur Satire ist jedes Mittel recht. Er beherrscht sie weitgehend, das Gefühl der Übersättigung, das eine häufige Gefahr bei solchen Darstellungen ist, tritt hier in den seltensten Fällen ein.
Das liegt unter anderem daran, dass er seine Figuren sehr lebensecht zeichnet und vor allem, dass er es mit größter Zuneigung tut. Gleich, ob es seine pathologisch autistischen oder seine egozentrischen und damit auf ihre Art autistischen Personen sind – jedem wird ein hohes Maß an Sympathie zuteil. Ehe Leserinnen und Leser es merken, sind sie voll Verständnis noch für die wildesten Handlungen, die jemand vollführt. Die Überraschungen aber liegen nicht in den Absonderlichkeiten, sondern in dem, was sich an Sensibilität, Mitfühlen, Rücksichtnahme offenbart, wenn man nur bereit ist, hinter die Fassaden zu sehen. So gibt es auch ein Happy End, aber es ist natürlich anders als erwartet.
Anspielungsreiches Lehrstück in eine zeitgemäße schrille Komödie verpackt, auch für Leser attraktiv und lohnend, die kurze Spanungsbögen vorziehen.
