Marjaleena Lembcke, Julia Neuhaus: Ichmagnicht oder wie der Mann Envälita auf die Katze kam
22.08.2011
Zähne zeigen und die Folgen
Wer kennt die Zeiten nicht, in denen man nichts und niemanden leiden kann. Niemanden sehen will, seine Ruhe haben, ein für alle Mal! Und wehe, es wagt jemand, näher zu kommen. Gut, dass solche Zeiten vorübergehen. Allerdings kommt es vor, dass man den rechten Augenblick verpasst und dann feststellen muss, dass Alleinsein weh tut. Marajaleena Lembcke erzählt in Ichmagnicht oder wie der Mann Envälita auf die Katze kam von so einer gefährlichen Situation und Julia Neuhaus macht die Bilder dazu. Von MAGALI HEISSLER
»Ein abgelegenes Häuschen und seine Ruhe, mehr braucht man nicht«, denkt sich der Held dieser Geschichte. So lebt er und so lautet auch sein Name, Ichmagnicht. Um niemandem im Zweifel darüber zu lassen, dass er nicht und nichts mag, hat er beschlossen, ein Buch darüber zu schreiben. Sein Manuskript ist schon viele hundert Seiten lang, aber es ist noch nicht fertig. Als eines Tages die kleine graue Katze auftaucht, ist Envälita gar nicht erfreut, er wirft sie umgehend hinaus. Die kleine Katze kommt zurück, wieder und wieder, aber Envälita heißt nicht ohne Grund Ichmagnicht. Schließlich bleibt die Katze fort. Auf einmal ist das Häuschen nicht mehr abgelegen, sondern einsam, es ist nicht mehr ruhig, sondern geräuschlos, nicht mehr abgekapselt, sondern ausgestorben. Und Envälita muss feststellen, wie unglücklich man ist, wenn man immer nur »Ich mag nicht« sagt.
Lieben lernen
Lembcke und Neuhaus erzählen ihre Geschichte knapp und schonungslos. Worte wie Bilder sind voller Wut und Gewalt. Envälita blickt im besten Fall grimmig in die Welt, meist aber düster und zornig. Neuhaus stattet ihn mit einem übergroßen Kopf aus, der im Wortsinn die Zähne zeigt. Geschirr fliegt umher; wenn Envälita die kleine Katze anschreit, vibrieren die Bilder, Zeichnungen und Foto-Collagen, förmlich unter der Wucht seines Zorns. Ebenso bedrückend kommt seine Einsamkeit zum Ausdruck. Der Zimmerschmuck, den er sich gönnt, ist ein Kaktus. Das Bad gleicht einem Gefängnis, der Wald, der ihn umgibt, steht schwarz und bedrohlich. Envälita, der ihm am Anfang glich, schleicht schließlich mit eingezogenen Schultern hindurch ins Dorf, das er sonst gemieden hat. Das Dorf empfängt ihn freundlich, die Zähne, die hier zu sehen sind, sind ebenso beeindruckend, wie Envälitas wutgefletschtes Gebiss, aber hier sind sie das Zeichen von Lächeln. Envälitas Umkehr kommt langsam, sein Leiden wird nicht ausgespart. Es ist eine Geschichte starker Gefühle.
Dass sie gut ausgeht, ist keineswegs selbstverständlich. Am Ende ist Envälitas Gesicht geradezu schön mit seinem Ausdruck von Zuneigung für die kleine graue Katze. Klar dass auch der Kaktus noch blüht. Liebe ist eben doch die bessere Lösung. Dieses außergewöhnliche Bilderbuch ist eine künstlerisch ausgezeichnet umgesetzte Warnung nicht nur an kleine Trotzköpfe.

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