der englische kunststudent Damien Hirst (spezialgebiet: konservierung toter schnaken) wird von einem werbetycoon (Charles Saatchi) entdeckt. doch der fordert grossformate. Hirst sucht hilfe beim leichenpräparator Gunther von Hagens. ein tasmanischer sportangler fängt derweil einen tigerhai und schickt ihn nach london. in singapur überzeugt professor dr. Sanusi Lamido (vorstand der zentralbank nigerias) den depressiven, suizidgefährdeten klimaanlagen-milliardär Aloysius Tong (vermutlich: 3603 main st., vancouver, british columbia, CA, V5V 3N6) davon, moderne kunst zu sammeln. mit erfolg: Tong wird glücklicher kunstsammler. in der folge steigen seine umsätze, doch bald beginnt der fisch zu faulen …
wer auf einen solch wahn-, aber witzigen und im telephonton erzählten klamauk nicht abfährt, dem ist auch mit einer buchbesprechung nicht weiterzuhelfen. ausserdem: es geht um die wiederverwertung von ideen zur steigerung des aktienkurses. oder meinten Sie: akazienduft? daher: besser als der zweitausendeins versand konnte selbst der Verbrecher Verlag sein buch nicht ankündigen. die markierten passagen hat der eine vom andern abgeschrieben (wer von wem?).
Crauss jedenfalls hat spass gehabt beim lesen von Wolfgang Müllers durchaus nicht nur mit der hammermethode lustigen, sondern feinhumorigen, zu einem roman zusammengefassten anekdotensammlung kosmas. denn »gewürzt mit wörtern wie ›initiation‹ und ›schamane‹ duftete das strenge ammoniak nun leicht wie rosenwasser« – oder, um die überschrift eines der kapitel im buch zu zitieren: »pisse wird wasser«.
das werk gehört zur gattung satire – oder meinten Sie Sartre? philosophie hin oder her, »der erfolg der leichenshow ›körperwelten‹ war grandios. er überstieg sogar die gigantischen besucherzahlen der bis dato erfolgreichsten deutschen kunstausstellung, nämlich ›entartete kunst‹, welche am 19. juli 1937 in münchen in den hofgarten-arkaden eröffnnet wurde.«
jedenfalls macht sich kosmas gut neben so bösen, aber etwas ernsteren büchern wie Pierangelo Masets Laura oder die tücken der kunst oder der melancholischeren variante firnis von Stefan Heuer.
für alle, die nicht ganz mitgekommen sind, hier nochmal die kurzfassung: Damien Hirst = tote schna-ken + tigerhai x Saatchi = depressiver milliardär + faulender fisch = sexskandal im vatikan (gegen 2104).
