Schicksalhafte Liebe, antike Fehde, göttliches Erbe
»Oh nein, nicht noch so ein ›Biss‹-Verschnitt«, dachte ich zunächst. Wieder einmal eine tragische Liebe zwischen zwei Teenagern! Die schüchterne Helen, die um keinen Preis auffallen will, erfährt plötzlich, dass sie etwas Besonderes ist – eine Halbgöttin. Mit diesem Anfang scheint die angelegte Trilogie zunächst in einem regelrechten Einheitsbrei zu verschwinden. Noch so eine vorhersehbare Liebesgeschichte…
Doch ich wurde eines Besseren belehrt: Das Debüt der Schriftstellerin Josephine Angelini ist alles andere als langweilig oder ideenlos. Mit viel Liebe für Details werden die griechische Mythologie sowie die berühmte Geschichte um Paris und Helena in das Hier und Jetzt verlagert. Dass die Autorin Angewandte Theaterwissenschaften mit dem Schwerpunkt »Antike tragische Helden« und »Griechische Mythologie« studierte, kommt der Handlung zugute. Mit viel Einfühlungsvermögen lässt sie die griechische Mythologie in die Geschichte einfließen; und schafft es sogar, dem Leser Lust darauf zu machen, (noch einmal?) zu den Klassikern der Antike zu greifen; vor allem zu Homers Ilias.
Im Roman jagt ein Ereignis das nächste und der Leser wird schnell mit Helen mitfiebern. Zum Verschnaufen bleibt keine Zeit! Auch die einzelnen Figuren sind sehr überzeugend gezeichnet und erweisen sich als charakterstark. Durch die Fülle der Informationen und der sich teilweise fast überschlagenden Ereignisse bleiben manchmal leider andere wichtige Details etwas auf der Strecke. So ist es nicht ganz überzeugend, dass Helen scheinbar alle Kindheitserinnerungen, die mit ihrer besten Freundin zusammenhängen, ausgeblendet hat. Auch Helens Auseinandersetzung mit ihrer wahren Identität hätte durchaus überzeugender gestaltet werden können. Sie scheint sich ihrem Schicksal doch zu schnell zu ergeben. Aber nichtsdestotrotz ist Göttlich verdammt ein gelungener und vielversprechender Auftakt der Trilogie. Achtung Suchtgefahr!
