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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 08:54

Nick Hornby: Small Country

17.10.2011

Ironische und aberwitzige Stories über die kleinen Hürden im Alltag

In Small Country versammeln sich gleich vier kurze Erzählungen von Kultautor Nick Hornby. Sie alle handeln von naiven Protagonisten, die in außergewöhnliche, absurde Situationen geraten. Ganz Hornby, werden natürlich auch Themen wie Fußball oder Musik wieder aufgegriffen. VON TANJA LINDAUER

 

Zugegeben: Wirklich neu sind die vier Geschichten aus dem Erzählband nicht. Naive Protagonisten und ihre ganz persönlichen Obsessionen stehen wieder einmal im Mittelpunkt der Erzählungen. Und dennoch überraschen die Erzählungen auf eine ganz besondere Art und Weise. Nehmen wir einmal die Titelgeschichte Small Country, hierbei dreht sich alles um Fußball, für Hornby also nichts Neues. Die Geschichte strickt der Autor aber auf eine so witzige und skurrile Art und Weise, dass der Leser gar nicht anders kann, als zu lachen.

 

In einem winzigen Land namens Campina, das noch nicht einmal auf einer Landkarte verzeichnet ist und auch nur aus einem Dorf besteht (man fragt sich mitunter auch, wie überhaupt ein Fußballplatz in so ein winziges Land passt), muss ein kleiner Junge für seinen Vater in die Nationalelf eintreten. Stefan weigert sich zwar, doch er hat keine andere Wahl. Er muss für sein Land antreten, denn es gibt nur elf Männer. Sie haben noch nie etwas von diesem kleinen Land gehört, geschweige denn ein Fußballspiel mit ihnen gesehen?

 

Vier Ich-Erzähler auf ihren persönlichen Missionen

Kein Wunder, denn die Mannschaft spielt nur gegen San Marino und den Vatikan und verliert dabei haushoch, 30:0 oder noch mehr. Der 15-jährige Erzähler ergibt sich also seinem Schicksal: Der unsportliche Junge muss Fußball spielen und hat noch nicht einmal eine Ahnung, wie die einzelnen Spieler auf dem Spielfeld heißen und was ihre Funktion im Spiel ist. Doch eine überraschende Wendung lässt Campinas National-Elf sogar erste Erfolge feiern und sie verlieren lediglich 0:12.

 

Die Geschichte über einen Videorekorder, der die Zukunft vorhersagt, und so einem Jungen zu seinem Ersten Mal verhilft, ist ebenfalls etwas unrealistisch – aber deswegen nicht weniger amüsant.

 

Das Leben ist unberechenbar und manchmal ungerecht

Die Erzählung über die Eltern, die erfahren, dass ihr Sohn Pornofilme dreht, weil die neugierige Nachbarin ihnen eines Tages eine Videokassette (!) in den Briefkasten schmeißt und damit zu allem Übel eine Diskussion über das männliche Geschlecht entfacht wird, denn ihr Sohn besitzt ein sagenhaftes »Riesending« und auch Nipple Jesus sind dagegen etwas gewitzter und realistischer, so wie man es von Nick Hornby gewohnt ist. Natürlich dürfen in diesen beiden Erzählungen die skurrilen und absurden Momente nicht fehlen.

 

Die Texte sind zwar alle nicht neu und wurden bereits zwischen 2000 und 2005 veröffentlicht. Allerdings wurde von diesen bisher nur Nipple Jesus ins Deutsche übersetzt. Mit diesem, speziell für die deutsche Leserschaft zusammengestellten, Erzählband werden Not a Star, Small Country, Otherwise Pandemonium und Nipple Jesus dem Erzähler nun gebündelt präsentiert.

 

Und Hornby kann wieder einmal seine Vielfältigkeit und sein Talent unter Beweis stellen. Sei es aus der Perspektive einer besorgten Mutter, die erfährt, dass ihr Junge Pornofilme dreht oder eines glatzköpfigen Türstehers, der seine Liebe zur Kunst entdeckt: Die Figuren sind gelungen, liebenswert und glaubwürdig. Der einzige Wermutstropfen ist, dass das Lesevergnügen viel zu kurz ist, die Geschichten sind ruckzuck gelesen und schon steht man vor einem Problem: Man möchte mehr! Unterhaltsam, lustig und unerwartet: So wie man Hornby eben kennt!

 

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