Wie ein gutes Metalkonzert
Also alles echt im Metal? Und von daher nicht spannend genug? Frank Schäfer findet, dass gerade das Echte, Konsequente und manchmal etwas Verbissene des Metals, das ist, was ihn so spannend macht. In seiner zweiten Veröffentlichung zu dem Thema hat er 14 Interviews mit Personen geführt, die alle der Droge Musik im Allgemeinen und Heavy Metal im Speziellen verfallen sind. Er spannt den Bogen von Businessprofis wie Produzenten, Manager, Veranstaltern über Hobbymusiker, Fachjournalisten, Coverkünstlern bis hin zum Fan. Alle Befragten kommen aus Deutschland bzw. haben hier ihre Heimat gefunden. Somit bleibt die Feldforschung regional beschränkt. Bekannte Musiker kommen bewusst nicht zu Wort, denn für diese gibt es ja andernorts Platz genug.
Das Buch liest sich dann auch so, wie eine gutes Metalkonzert sein sollte: harder, faster, louder! Man merkt bei jedem Gespräch, mit welcher Liebe zum Detail Schäfer ans Werk geht. Dass die Interviewpartner überzeugt sind von dem was sie tun und für was sie ihre Zeit hergeben, ist ja eh klar. Sehr ehrlich werden Blicke hinter die Kulissen gewährt und der eine oder andere Mythos fällt. Denn auch im Metal ist nicht alles true as steel, wie der Produzent Sascha Paeth zu berichten weiß. Nicht jede Scheibe wird auch wirklich von den Jungs eingespielt, die auf den Bandfotos zu sehen sind.
Und wie bei einem guten Konzert braucht’s auch ’ne Pause zum Bier holen. Genau dann, wenn das notorisch überflüssige Schlagzeugsolo kommt. Das sind in diesem Buch die Passagen, die etwas zerzaust transkribiert wurden oder das Gespräch arg ins theoretische abdriftet. Aber auch nicht jedes Riff von Mille ist auf Anhieb schlüssig. Also schwamm drüber.
Gelingt es Schäfer nun, das Biest Heavy Metal bei den Hörnern zu packen? Natürlich – dem Holy Diver sei Dank – nicht. Dazu gibt es auch keine Notwendigkeit, solange man solch fabelhafte, gleichsam sinnfreie Dialoge über Metal führen kann:
»Aber siehst du nicht doch einen Unterschied zwischen der ersten Metallica und Exodus oder Slayer? … Da scheint mir schon eine Unterscheidung – Metallica gleich Speed, Exodus gleich Trash – noch ganz sinnvoll.«
»… Klar, alle drei sind ganz, ganz aggressiv und brutal, aber Exodus und Kreator sind eine Kneipenschlägerei, … eine ganz rohe, spontane Gewalt, so ungeplant, … Reign in Blood ist auch ultrabrutal, aber das ist ein Typ der sich das monatelang überlegt, der sich ein Zielfernrohr kauft, sich dann auf ein Hochhaus setzt und von dort Leute abschießt.«
…
»Gut, dann haben wir das jetzt geklärt.«
»Aber wir sind noch kein Stück weiter.«