Bergidylle und Müllhalde
Das Buch lebt auch von diesen markigen, provokanten Sprüchen der Köche. Aber vielmehr noch von den intensiv recherchierten, wohlbedacht geschriebenen Biografien der Protagonisten. Ottavia Fasser, eine bescheidene, leise 73jährige Frau, zieht nachdenklich Bilanz ihres Lebens innerhalb einer Bergidylle in Graubünden, die sehr viel Einsamkeit, Traurigkeit und einen verstellten Blick auf das gesamte Zusammenspiel der Welt hinterlässt.
Der Weg in eine gegenteilige Welt führt über eine Müllhalde in Nairobi, groß wie 50 Fußballfelder. Plastik in allen Farben. Millionen Plastiksäcke, Kunststoffverpackungen, Becher, Zahnbürsten. Und Gestank. Auf dieser Müllhalde hat Faith Muthoni einen Holzverschlag errichtet, diesen mit Planen überzogen. Das ist ihr Restaurant. »2000, vielleicht 3000 Menschen arbeiten auf der Deponie. Sie filzen die 50 Fußballfelder, sammeln ein, was Nairobi wegwirft. Die untersten 3000 der Stadt – und Faith Muthoni ist ihre Köchin.« Sie kocht Reis, Bohnen, Maismehl. Wenn sie im Müll etwas Gemüse findet, kocht sie alten Kohl, Zwiebeln oder Lauch mit ein. 20 Cent kostet eine Portion, serviert auf Plastiktellern, die sie aus dem Müll gezogen hat.
Juan Moreno hat die Biografien von 17 sehr unterschiedlichen Köchen festgeschrieben. Mirco Taliercio liefert eindrucksvolle Fotos dazu. Das Resultat ist spannend und unberechenbar.